Montag, 17.10.2011

Erster Eintrag

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.

Dienstag, 25.10.2011

the land of the living

Gerade angekommen bin ich schon in meiner zweiten Woche in Taizé. Wie schnell hier die Zeit vergeht, merkt man leider immer daran, dass nach einer Woche die lieb gewonnen Menschen abfahren und neue ankommen. Aber das ist eben Taizé...

Die erste Woche hier war aber auch wirklich sehr schön. Da ich noch als normaler Teilnehmer die erste Woche verlebt habe, gab es viele Gelegenheiten nette Menschen kennen zu lernen und Taizé in vollen Zügen zu genießen.

Meine Baracke teilte ich mit mit 5 sehr netten Niederländerinnen, von denen gleich 3 bereits ein längere Zeit in Taizé waren, sodass ich schon im Vorfeld sehr viel erfahren habe, wie das Leben als Permanent so ist. Ansonsten waren vor allem Deutsche hier.

Die Bibeleinführungen am Morgen bei fr. Timothée über das Reich Gottes waren mal mehr mal weniger spannend, dafür hatten wir aber immer sehr viel Spaß in unseren Gesprächsgruppen (Liebe Grüße an selbige) und bei den Treffen mit den Contact People. Da es nicht sonderlich viel zu besprechen gab, wurden da immer viele Späße gemacht :)

Auch meine Arbeit war ziemlich lustig, nicht zuletzt weil ich sehr nette Kollegen hatte. Als Teil des Welcome-Teams hatten wir viel Kontakt mit den Teilnehmern dieser Woche und bekamen viele Einblicke in die Organisation von Taizé, was sehr spannend ist :) Außerdem hatten wir auch Glück mit unserem Responsible Friedemann, mit dem man immer wieder viel Spaß bei den abschließenden Besprechungen bei Tee und Keksen haben konnte, sodass unsere Teatime schon mal eine Stunde gedauert hat.

So vergingen die Tage der ersten Woche wie im Flug, ich hatte schnell neue Freunde gefunden, denen ich mich anschießen und herrliche Gespräche führen konnte.
Da ich am Samstag den Nachmittag frei hatte und das Wetter uns nach drei Tagen kaltem Regenwetter wieder mit Sonnenschein beglückte, unternahm ich einen Sparziergang in das Nachbardorf Bray, was ca. eine Stunde zu Fuß von Taizé entfernt liegt. Wer mal Zeit hat, sollte das auch machen, denn nach einem herrlichen Weg durch Wald und Wiese Burgungds erreicht man die kleine Dorfkirche, die klein und romantisch in dem verschlafenen Dorf liegt und einem einen Moment völliger Stille ermöglicht.

Und bei schönem Wetter kann man draußen das ganze Umland überblicken :)
Die Dorfkirche in Bray fuer den Ausblick geht man doch gerne mal eine Stunde...

Abends hatte ich dann ein Treffen mit Sr. Anges, die mir alles Wichtige über das Leben als Permanent erklärte und mir schon mal die wichtigen Räume zeigte (Waschraum, Gemeinschaftsraum, Küche).

Und ich habe schon ein erstes Mal meine Kontaktschwester Sr. Muriel getroffen.
Sonntag Morgen bin ich dann direkt nach N'Toumi (das Barackendorf in dem auch wir weiblichen Permanents leben) umgezogen und habe das erste Frühstück in dem neuen zu Hause genossen. Das ist wirklich sehr lecker denn wir haben Frischkäse, Butter und Schokolade ohne Ende :)
Dann hieß es arbeiten und da diese Woche French Week ist, in der ca. 3000 Franzosen Taizé bevölkern, musste noch einiges vorbereitet werden. Baracken wurden geputzt und alle Hallen bis auf 10 und 15 mit Schlafplätzen versehen.

In der Mittagspause habe ich dann erstmal mein Zimmer bezogen und wohnlich eingerichtet (soweit das geht ;)). Nebenbei konnte ich mich auch ein bisschen mit meinen Zimmerkolleginnen Rosy aus Afrika und Nina aus Finnland anfreunden. Die Zimmer sind ganz schön. Jeder hat einen kleinen Schrank und es gibt Strom IM Zimmer ^^ Und einen Tisch haben wir auch, sodass es eigentlich ganz gemütlich ist.
So lieb wird man in N'Toumi begruesst :) home sweet home. ist doch ganz gemuetlich

Am Nachmittag bin ich die ganze Woche beim Smal Washing Up, was ja auch nicht die übelste Arbeit ist :)
Aber dank der Franzosenwoche geht es wie fast überall total chaotisch zu und wir hatten alle Hände voll zu tun um die Massen an dreckigem Geschirr zu bewältigen. Aber ich denke im Laufe der Woche wird es besser und besser werden.
Und sonst arbeite ich diese Woche Vormittags im El Abiodh. Sauber machen steht auf dem Plan, allerdings nicht im El Abiodh, sondern in den Häusern außerhalb Taizés, die auch zur Communauté gehören.
Am Montag waren wir beispielsweise in Chapaize, einen kleinen Dorf 9km von Taizé entfernt, wo Erwachsene oder Familien mit Autos unter gebracht sind. Die Arbeit ist nun wirklich nicht die schwerste und so blieb uns noch etwas Zeit das Dorf anzusehen. Ein französisches Dorf wie im Bilderbuch mit einer sehr schönen Kirche aus dem 12. Jahrhundert.
Aber auch die restliche Gegend hier ist traumhaft, vor allem wenn der goldene Oktober seinem Namen solche Ehre macht wie in diesen Tagen. Da macht es richtig Spaß einen kleinen Ausflug ins Umland zu machen vorbei an Wiesen und Feldern und kleinen Chateaus wie Uxelles

Gestern hatte ich auch die erste Bibeleinführung mit den Permanents indem kleinen Haus Isba neben der Kirche. sehr gemütlich!

Ganz nebenbei habe ich in meiner Arbeitsgruppe Eveliina aus Finnland wieder getroffen, die schon in Rotterdam mit mir zusammen gearbeitet hat :)

So lerne ich hier nach und nach immer mehr von Taizé kennen, verstehe mich immer besser mit den restlichen Mädels und fühle mich hoffentlich schon sehr bald hier zu Hause.

 Leider hat es heute angefangen zu regen :(

Übrigens, Internet ist wie erwartet ein Luxusgut. Also hofft nicht auf E-Mails von mir, sondern lest den Blog oder wartet auf einen netten Brief von mir ;)

Samstag, 05.11.2011

O toi laudelà de tous

Dieses Lied geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. „Quel esprit peut te sesir?“ Ein ganz schlimmer Ohrwurm!

Wenn überhaupt etwas l'audela de tous (über allen) war letzte Woche, dann wohl das Chaos. Aber keine Sorge, we're still alive ^^

Das Washing Up am Abend war jeden Tag aufs neue eine Herausforderung, denn mal hatten wir kein Team, mal ein paar verrückte Franzosen...

Aber wir haben es jeden Abend geschafft alles zu säubern UND noch pünktlich ins Abendgebet zu rennen.

Abwaschen mit Franzosen. Sagen wir mal ein Erlebnis ;) Trotzdem immer bei guter Laune :)

Apropos Franzosen, hier einige Fakten der Woche:

  1. Franzosen verstehen/sprechen KEIN Englisch (versucht es also gar nicht erst...)

  2. Franzosen planschen gerne im Spülwasser.

  3. Franzosen kennen das Wort Silence nicht.

  4. Franzosen können sich nicht in einer Schlange anstellen.

Ein paar Erläuterungen dazu:

zu 1: Der Grund allen Übels. Franzosen kennen grundsätzlich nur eine Sprache und das ist ihre eigne. Jeglicher Widerstand gegen selbiges Gebot ist zwecklos. Schwierig ist nur, dass die Arbeitssprache in Taizé nun mal Englisch ist und somit jegliche Erklärungen, Erläuterungen und Ermahnungen an unseren Freunden aus Frankreich gänzlich vorbei gehen. Zum Glück ist Dienstag der französische Spuk vorbei :)

zu 2: Dieses Phänomen ist mir unerklärlich. Ich präferiere wie die meisten hier saubere und trockene Kleidung. Wer weiß, warum die jungen Franzosen das so gerne machen, hinterlasse mir ein Nachricht nach diesem Blogeintrag ;)

zu 3: Ja Silence ist in der French Week nicht inclusive. Ich verstehe jeden Ausbruch von Lebensfreude zu vielen erdenklichen Tages- und Nachtzeiten. Ich kann tolerieren, dass Franzosen von einer anderen Mentalität sind und einen um Mitternacht noch wach halten, ja ich kann sogar tolerieren, dass sie UNSEREN Waschraum benutzten, obwohl dran steht, dass es unserer ist (vielleicht liegt es aber auch an Punkt 1), was ich aber absolut nicht verstehe ist, wie man nicht mal 10 Minuten vor dem Gebet einfach mal seine französische Klappe halten kann. Das ist doch nicht so schwer. Da halfen keine Silence-Schilder und keine Ermahnungen, die Kirche war vor den Gebeten eine Markthalle der unnützen Unterhaltungen. Fr. Alois hat am Dienstag einfach mal vor dem Gebet ein Lied angestimmt, damit das Gequatsche aufhört. Es hat sich als gute Methode bewährt...

zu 4: Man kann von Nordeuropäer, vor allem von Deutschen halten was man will, aber wenn es darum geht eine Masse zu organisieren, freut sich jeder über uns geordnete Deutsche. In Taizé muss man sein Geschirr selbst ordnen und in bestimmte, gekennzeichnete Körbe packen.
Das Szenario in einer normalen Woche mit ca. 50% Deutschen: alle stellen sich in eine Reihe und machen das nach einander.
Das Szenario diese Woche: Alle Franzosen stürmen auf die Rückgabestelle und enden in einem großen französischen Haufen, der alles blockiert. Wir haben dann mit den Mülleimer abgesperrt, sodass nur noch ein Gang zum Entlanggehen da war, wobei wir uns am Anfang nicht sicher waren, ob die nicht über die Eimer springen...

Es hat aber funktioniert und jetzt läuft es besser und vor allem geordneter^^

 

Ein Gutes hatte diese völlig verrückte Woche aber doch, sie schweißt uns Permanents zusammen.
Ja, mit einer Portion Galgenhumor und vereinten Kräften meisterten wir hier Tage lang den Ausnahmezustand.
Und es gibt dann doch die ein oder andere lustige Anekdote zu erzählen:

Am Mittwoch saß ich noch mit Florian und Edmund nach dem Abendgebet in der Kirche.
Flo: Who is this brother?

Edmund: He's br. Jean Marie from the USA.
Flo: Really? From the US?
Edmund: Yes, not every brother is from Germany!
:D

 

Oder unser Taizé-Nightfever. Man glaubt es kaum, aber fast jedes Taizélied gibt es in einer tanzbaren Partyedition ;) Für Kostproben wendet euch an die freundliches Permanents.
Ich sing nur: Tu, Deus in aeternum PERMANENTS! In aeternum PERMANENTS!

Ja, wenn wir nicht am Point 5 Tee trinken, treffen wir uns nach dem Abendgebet immer in Namaste, „unserem“ Raum im El Abiodh. Und dann wird Ligretto extrem gespielt (Rosy meinte it sounds and looks like monkeys in the jungle...) oder gesungen, getanzt, erzählt oder leider, leider einige Permanents verabschiedet. Sonntag Abend hatten wir einen sehr schönen Namaste Abend für Edmund, Benoit, Benedict und Carlo, die uns leider am Montag verlassen haben. Und Morgen fahren leider einige N'Toumi Mädels ab, wie so viele in der nächsten Zeit :(

Die Mädels sind aber auch sehr inspirierend. Sie haben sich selbst ein Quiz gebastelt und zermartern sich seit Tagen da Gehirn, weil sie jeder Nummer aus dem Liederheft den jeweiligen Titel zuordnen. Auswendig natürlich. Ohne schummeln.
Da ist uns spontan die Idee zum Taizé-Lieder-Bingo gekommen.

Hier die Anleitung (klappt natürlich auch mit anderen Liederbüchern. Also immer mal ran an das Gottes Lob ;))

Man mache sich eine Bingokarte (z.B. 7x7 Felder)

Man trage beliebige Liedernummern ein.
Man nehme das ganze mit zum Gebet/ Gottesdienst und streiche die gesungenen Lieder auf der Karte.

Wer als erster ein kleines Bingo hat, hat gewonnen (ich sage euch das dauert einige Gebete...)

Selbstverständlich wird mitgesungen und und gebetet. Das Spiel soll ja keine Ablenkung sein und das Gebet nicht stören. Also verzichtet lieber auf ein lautstarkes „BINGO!“ wenn ihr eine Reihe fertig habt ;)

 

Im Allgemeinen (abgesehen von akuten Ermüdungserscheinungen am Abend) geht es mir wirklich, wirklich gut hier. Ich hatte mein erstes Treffen mit meiner Kontaktschwester Muriel. Wir können uns zwar nur auf Englisch unterhalten, aber das klappt gut. Sie ist sehr lieb und verständnisvoll, wie viele der Schwestern hier.

Auch die Mädels lerne ich immer besser kennen. Bald weiß ich endlich alle Namen :) Leider verlassen uns in den nächsten Wochen ja sehr viele, was wirklich schade ist, denn man versteht sich schon nach so wenigen Tagen so gut miteinander, dass einem der Abschied sehr schwer fällt. Vor allem wenn man weiß, dass man einige wohl nie wieder sehen wird, wie die meisten Mädchen aus Asien, die so weit weg wohnen :(

 

Bis Dienstag habe ich noch meine Arbeiten behalten, also Washing Up und Cleaning Houses, dann ging es los mit Point 5, also Putzen! Juhu!
Morgens bin ich jetzt immer mit Moon im El Abiohd am Arbeiten. Vor allem Putzen (was sonst?) und Zimmer für Gäste herrichten. Das macht eigentlich viel Spaß und ist auch mal etwas abwechslungsreicher :)

Aber die beste Arbeit habe ich seit Mittwoch bekommen, denn anstatt im El Abiodh das Haus zu hüten, darf ich jetzt morgens mit Marija und Bruder Stephen die Dekoration für Berlin machen. Dafür müssen wir aber noch so einiges vorbereiten. Vor Allem unseren Arbeitsraum (ein Teil der Kirche), den wir komplett mit Plastikfolie abgedeckt haben, was ziemlich seltsam aussieht. Und natürlich muss noch Material besorgt werden und wir müssen die Nähmaschinen testen. Gestern haben wir schon mal Verwendbares aus dem Rotterdam-Fundus aus Cormatin geholt und heute sind die Nähmaschinen eingezogen. Also auf jeden Fall ist das ziemlich spannend :)

Unsere Arbeit zur Zeit: Putzen und Aufraeumen im Taizé Stil Zelttrocknen extrem ;)

 

Ich habe mal mit Sr. Sitske gesprochen, ob ich nicht ab und zu im Gebet mit der Flöte spielen könnte. Leider geht das wahrscheinlich erst ab dem Frühjahr, wenn auch andere Instrumente dabei sind, aber bis dahin hab ich noch ein wenig zeit die Stimmen zu üben. Ist ja auch nicht das Schlechteste. Gestern zum Beispiel haben Rosy, Louise und ich schon mal ein wenig bei uns im Zimmer musiziert und beschlossen ab und zu nach dem Abendgebet in der Kirche zu spielen. Nina meinte zu unserer Probe nur: I have a Paty in my room! Maybe I can dance on the table! (ich sagte ja, Taizé Lieder sind absolut Party tauglich!)

 

Gestern hab ich das erste Mal hier meine Wäsche gewaschen. Das ist wie alles hier ziemlich Öko. 15 Minuten Schnellwaschgang mit extra Umweltfreundlichen Waschmittel. Ja, das ist echt typisch Taizé, bei allem wird immer genau darauf geachtet, ob es sozial- und umweltfreundlich ist.
Ein gutes Beispiel ist da die Butter-Frage aus der letzten Woche:
Der Lieferant hatte die Verpackungen der 10g Butterpäckchen in Plastikschälchen geändert. Da die aber mehr Müll produzierten, wurden die 15g Portionen bestellt,die im umweltfreundlichen Papier geliefert werden.

 

Ansonsten ist diese Woche nach der French Week irgendwie total seltsam. Alle sind etwas müde, viele krank und eine allgemeine Depression liegt in der Luft.
Manchmal ist es eben doch nicht so einfach in Taizé zu leben, vor allem nicht als Mädchen.Manchmal ist es schon ermüdend und deprimierend, wenn man ständig an Grenzen stößt, nur weil man dem weiblichen Geschlecht angehört. Und das vielleicht Verwunderlichste daran ist, dass es meistens gar nicht direkt etwas mit den Brüdern zu tun hat, sondern die Schwestern dafür „sorgen“, dass wir auch nicht zuuu sehr in die Communauté hinein rutschen.

Ein Beispiel: Marija hatte in der Kirche einen Lieblingsplatz, der direkt an der Abgrenzung zu den Brüdern war. An einem Tag kam eine der Schwestern und sagte ihr, sie solle sich wo anders hinsetzten, dieser Platz wäre zu nah an den Brüdern, wenn man ein Mädchen ist.
Oder: Die Brüder wollten ein Haus für die weiblichen Permanents bauen. Ähnlich wie es die Jungs auch haben, aber die Schwestern waren der Meinung, dass die N`Toumi Baracken für die Mädchen völlig ausreichen.
Bei manchen Sachen bleibt einem echt die Spucke weg. Und sobald man da mal nachfragt und die Antworten hinterfragt, bekommt man gesagt dieses oder jenes ist „unmonastic“ (unklösterlich).

Ach so. Stimmt. Jetzt erscheint mir das natürlich viel logischer...

 

Manchmal ist es eben nicht so einfach, aber gemeinsam mit den Mädels werden wir auch damit fertig.
Selbst mit dem Wetter, was hier gerade von großer Wechselhaftigkeit geprägt ist. Mal scheint die Sonne und man hält es nur im T-Shirt aus, mal überkommt uns monsunartiger Regen mal stürmt es so heftig, dass man Angst hat, ob man morgen noch das Dach über dem Kopf hat ;)

Diese Woche hatten wir unsere  Bibeleinfuehrung bei dem schwedischen Rabbi David, was sehr interessant war. Wir habe ein bisschen Bibliodrama gespielt und ein Taizélied auf Hebräisch gelernt. Sehr cool :)

 

Übrigens bin ich jetzt das erste mal selber in Frankreich Auto gefahren (wuhh, spannend). Zwar nur bis Cormatin und zurück aber bei Regenwetter mit dem old Clio durch die Gegend zu düsen ist schon etwas abenteuerlich, den old ist hier wirklich wörtlich zu nehmen. Aber er fuhr :)

 

Wir ihr seht ist hier immer was Spannendes los und so gehen die Tage sehr schnell vorüber, aber man erlebt aufregende Sachen, dass sie einem vorkommen wir 3 Tage am Stück.

So wird dieser Fleck in der Welt immer mehr mein zu Hause, man arrangiert sich mit den Gegebenheiten und lernt vor Allem, sich immer mehr an den wirklich kleinen Dingen zu freuen. Wie eine frisch geputzte Toilette :)

Samstag, 12.11.2011

Conduis-moi sur le chemin

Es ist ganz schön was los hier in Taizé, so viele Veränderungen und einiges sehr Aufregendes haben sich in der letzten Woche ereignet.
Aber nun der Reihe nach.

Der Anfang der Woche war so ruhig und entspannend, denn es waren gerade mal 35 Besucher hier und so hatten wir nicht so derbe viel zu tun, was die „Field“-Arbeit angeht. Dafür eben eine Menge Vorbereitungen für den Winter. Echt erstaunlich, jeden Tag verändert sich hier etwas: erst fehlt da ein Zelt, dann sind dort die Baracken geschlossen oder die Waschbottiche beim Washing Up weggeräumt. Hier mal ein kleines Suchbild für euch:

  Was fehlt?

Ja, neben den Äußerlichen Veränderungen in Taizé ist auch intern eine Menge los. Uns verlassen jeder Woche leider mehr Permanents, dafür durften wir diese Woche Carlotta aus Hong Kong und Fatima von den Philippinen in N'Toumi begrüßen. Außerdem ist zur Zeit Reisezeit. Ab nächster Woche sind um die 20 Permanents in ganz Europa unterwegs, um Kontakte der Communauté zu pflegen und für das Treffen in Berlin einzuladen. Einige kommen auch nach Deutschland, Friedemann und Fillip wiwerden zum Beispiel NRW besuchen und kommen am 21.11. auch nach Bielefeld :)

Und natürlich sind auch viele Brüder unterwegs, sei es in europäischen Ländern oder zur Vorbereitung in Berlin, sodass zur Zeit die Kirche recht leer ist. Aber nur bis zum Wochenende, denn dann erwarten wir 800 Franzosen. Aber das schaffen wir auch noch.

Meine Arbeit diese Woche ist auch sehr spannend, wenn auch anstrengend, denn gleich 4 Jobs dürfen von mir erledigt werden. Morgens bin ich in der Küche im El Abiodh. Wir bereiten das Essen vor, was diese Woche eine kleine Herausforderung ist, denn die Big Kichen hat bereits geschlossen und so müssen wir auch für die normalen Besucher mit kochen, was vor allem jetzt am Wochenende eine große Aufgabe ist. Heute habe ich glatt mehr als 80 Brote geschnitten!
Gestern waren ich und Luise aber auch mal etwas kreativ in der Küche, denn die Bananen, die wir als Obstbeilage nehmen sollten, waren nun wirklich nicht mehr sehr ansehnlich und so haben wir daraus einen leckeren Milch-Bananen-Shake gemacht. Für uns Mädels und weil wir so nett sind haben wir auch unsere Jungs in La Petite Morada damit überrascht. Vor allem Jakob, der uns den ganzen Vormittag dabei zusehen musste und an nichts anderes mehr denken konnte, als diesen vorzüglichen Shake, hat sich ganz schön darüber gefreut :)

  Ja das freut die Jungs in Morada

Außerdem bin ich Washing Up im El Abiodh nach dem Mittagessen, was zwar nicht die größte Arbeit ist, aber dennoch recht anstrengend. Rückenschmerzen inklusive, denn ein Waschbecken auf Kniehöhe ist nicht gerade das Gelbe vom Ei...

Dafür entschädigt mein Nachmittagsjob voll und ganz, denn die Vorbereitung der Dekoration ist eine wirklich spannende Aufgabe. Bruder Stephen hat ein Modell der Gebetshallen gebastelt und uns jedes Detail der Dekoration erklärt, damit wir wissen woran wir da eigentlich arbeiten.

  schon mal ein kleiner Blick auf das Modell: aber wir wollen ja noch nicht zu viel verraten

Jetzt heißt es erstmal Stoffe auswählen und den Kampf mit den etwas altersschwachen Nähmaschinen aufnehmen. Erste Erfahrungen haben wir schon gemacht, denn Mailiis Weihnachtsgemälde muss noch gesäumt werden, allerdings wehren sich unsere Nähmaschinen noch etwas gegen die plötzliche Arbeit. Wenn wir „Greet“ an schmeißen raucht selbige auch schon mal und ächzt unter dem plötzlichen Leistungsdruck ;)

Aber wir bekommen das schon hin und es ist ja auch ein bisschen Abenteuer.

  unsere Schaetzchen...

Außerdem hat mich Sr Muriel gefragt, ob ich nicht Lust habe, das Programm für Olinda nächsten Sommer mit vor zubereiten, was sicherlich sehr spannend ist. Ich hoffe, das klappt und ich kann mich schon bald mit dem Team treffen und Kinderspiele und Familienprogramm planen. Wie in den guten alten Leiterrunden Jahren...

 

Aber es gibt noch mehr zu berichten aus Taizé. In dieser Woche sind gleich drei Jungs aus der Gruppe der Permanents ins Haus der Brüder umgezogen, um in der Communauté mit zu leben. Wenn alles gut geht, sie in die Gemeinschaft passen und sie nach einigen Wochen noch immer den Wunsch haben Bruder der Communauté zu werden, erhalten sie das weiße Gewand und werden als Bruder aufgenommen. Das gleich 3 Jungen umziehen ist eine echte Seltenheit und wir restlichen Permanents sind auch alle irgendwie ganz aufgeregt deswegen. Möglicherweise werden einige von ihnen noch dieses Jahr als Bruder aufgenommen. Alles ist sehr spannend zur Zeit.

 

Am Mittwoch hatten wir ein N'Toumi Sharing mit Bruder Marek aus Polen. Es war ein wirklich netter Abend. Wir konnten Fragen stellen und uns austauschen, aber vor allem Fragen stellen. Es war sehr lustig und spannend, denn Bruder Marek hat uns sehr ausführlich und offen über das Leben der Brüder berichtet, einige Anekdoten zum Besten gegeben und uns von seiner Aufnahme in die Communauté erzählt.

 

Aber natürlich geht auch hier das „normale“ Leben weiter.
Horia hat mir beim Toiletten putzen versucht etwas Tango bei zubringen, Natalie bastelt an einem Adventskalender, die Mädels haben jetzt endlich eine Tischtennisplatte in unserem Common Room installiert:

  TISCHtennis in Taizé!

und Markus und ich haben einen neuen Point 5 Song gedichtet. Also alles beim Alten :D

 

Aber das Aufregendste hat mir Sr Muriel bis Donnerstag aufgehoben, denn die Communauté sendet mich zusammen mit Jessica aus Neuseeland eine Woche lang nach Polen, um dort Gebete zu besuchen, die Kontakte der Communauté zu pflegen und für das Treffen in Berlin einzuladen. Das Ganze kam jetzt wirklich überraschend, denn ich bin ja erst seit 4 Wochen hier. Aber es ist auch ein Zeichen des Vertrauens der Schwestern, dass sie mich schon jetzt auf eine Auslandsreise schicken.

Bruder Marek hat uns alle wichtigen Infos mitgeteilt. Wir werden rund um Danzig unterwegs sein, dort Gruppen und Gebete besuchen und in Schulen zu Gast sein. Die ganze Woche werden wir von dem Taizé Koordinator der Region begleitet und dürfen in der Zeit bei seiner Mutter übernachten.
Jetzt kann es morgen früh los gehen, erst mit dem TGV nach Paris und dann mit dem Flugzeug direkt nach Danzig. Ich freue mich schon sehr auf die Reise, die Begegnungen und Aufgaben und werde natürlich nächste Woche ausführlich darüber berichten :)

Montag, 05.12.2011

Ne laisser pas mes ténèbre me parler

Drei Wochen sind schon wieder vergangen und es ist so viel passiert, dass ich gar keine Zeit gefunden habe, auch euch zu Hause davon zu berichten. Aber jetzt der Reihe nach:

 

Unsere Reise nach Polen war wirklich sehr aufregend, anstrengend und abwechslungsreich.

Am Sonntag Abend kamen wir in Danzig an und wurden von Jacek, dem Koordinator der Region, vom Flughafen abgeholt. Jacek ist wirklich ein wunderbarer Mensch, der mit dem ganzen Herzen und all seiner Energie für seine Überzeugungen lebt und dabei voller Lebensfreude ist. So war schon die Begrüßung herzlich, aber nicht nur, weil wir als „Members of the Communauté“ angekündigt waren.

Auch in unserer Unterkunft bei Jaceks Eltern Ela und Andrzej wurden wir mit offenen Armen empfangen. Und obwohl die beiden ungefähr so gut Englisch sprechen, wie ich Polnisch, haben wir uns die ganze Woche über bestens verstanden. Manchmal braucht es eben nicht viele Worte :)

Plattenbauidylle in Sopot, aber dafuer mit Meerblick!

Der Rest der Woche verlief dann jeden Tag nach dem gleichen Schema:

Morgens besuchten wir Schulen in Danzig, Gdynia und Elbang und berichteten den Schülern von Taizé unserem Leben dort und dem Treffen in Berlin und haben natürlich eine Menge Fragen beantwortet. Diese Besuche waren immer wirklich anstrengend, denn zum Einen dauerten sie ziemlich lange (von 8 Uhr bis 15 Uhr) und zum Anderen gab es meistens auch viele Sprachbarrieren zu überwinden. Aber die Begegnungen mit den Schülern waren auch sehr interessant, denn die meisten hatten noch nie etwas von Taizé gehört, waren aber sehr aufgeschlossen und groß teils auch interessiert.

  Bei der Arbeit in einer polnischen Schule...

Nach diesen anstrengenden Vormittagen hatten wir immer ein wenig Zeit uns zu regenerieren und das vorzügliche Essen zu genießen. Ich war vor allem über die herrliche Brotauswahl sehr froh, denn nach Wochen des Weißbrotes kann man sich extrem über ein Vollkornbrot mit Schinken freuen :)

Zweimal durften wir aber auch das Essen bei den Ursulinen Schwestern in Gdynia genießen, was wirklich etwas Besonderes war.

Montags hatten wir etwas Zeit Sopot zu besichtigen und auf der längsten hölzernen Seebrücke der Welt zu flanieren.

Am Abend besuchten wir dann Gebete und Gruppen, die sich auf Berlin vorbereiten. Das waren immer wunderbare Abende, denn die Jugendlichen hatten viele Fragen und waren sehr interessiert an unserem Leben in Taizé.

Treffen mit Jugendlichen zum Abendgebet. Das waren wirklich wunderbare Begegnungen :)

Während unseren Touren durch die Region hatten wir immer viel Zeit zum erzählen und Jacek erklärte uns sehr viel über die Städte und ihre sehr interessanten Geschichten. Am Samstag hatten wir dann endlich Zeit auch ein wenig die Städte zu besichtigen und ihre ganz unterschiedlichen Charaktere selbst zu erleben. Vormittags war ich mit Maria, einer der polnischen Jugendlichen, in Danzig und habe mir die wunderschöne Altstadt angesehen.

Ich in Danzig... ein Rundgang durch die Altstadt ist auch im Winter sehr sehenswert!

Am Nachmittag haben wir uns dann mit einigen Jugendlichen in Gdynia getroffen und diese noch so junge Stadt (80 Jahre alt) erkundet. Sehenswert in dieser vom Plattenbau geprägten Stadt ist eigentlich nur der Hafen und der Strand, sodass wir Zeit hatten uns in ein Café zu setzten und ein wenig zu erzählen. So fand diese aufregende Woche einen schönen Abschluss und wir konnten uns am Sonntag wieder auf die Heimreise begeben.

Am Strand in Gdynia und alle zusammen im Café

Diese hatte allerdings ihre Tücken, denn unser Flug konnte nicht in Paris landen, sodass wir uns in Lille wiederfanden und per Bus nach Paris gebracht wurden. Durch diesen 2,5 stündigen Transfer verpassten wir allerdings unseren Zug nach Macon. Nach einigen Telefonaten hatte uns Bruder Maxime dann eine Unterkunft in Paris organisiert und eine neue Zugverbindung am nächsten Morgen gebucht, sodass wir eine ruhige Nacht bei Stephanie in Paris verbrachten und dann am nächsten Tag in Taizé eintrafen.

 

Aber auch in Taizé war einiges los. Die Mädels aus N'Toumi waren bei den Schwestern eingeladen und haben die Töpferei der Brüder besichtigt. Hoffentlich habe auch ich noch die Gelegenheit mal einen Blick darein zu werfen, denn das soll sehr interessant gewesen sein.

Jetzt bin ich auf jeden Fall froh, wieder hier im beschaulichen Taizé zu sein und die Adventszeit hier genießen zu können.

Ja auch wenn wir hier in Taizé die Einfachheit leben, ließen wir es uns nicht nehmen auch ein wenig Adventsstimmung bei uns einziehen zu lassen.
Letzten Mittwoch hatten wir ein Advent-Sharing über Adventstraditionen in unseren verschiedenen Ländern.

Maria und ich haben dafür einen sehr schönen Adventskranz gebastelt, der jetzt unseren Common Room schmückt und uns viel Freude bereitet.
Außerdem haben wir jetzt auch einen Weihnachtsbaum im Taizé-Style:

  Taizé-Adventskranz... ...und Taizé-Weihnachtsbaum!

Ja Simplicity macht uns sehr kreativ, da wird Hanuta-Papier aufgehoben, um Sterne zu basteln und ein Weihnachtsbaum aus Papier geboren ;)

Und auch beim Nähen ist Weihnachtsstimmung eingekehrt, denn Bruder Stephen hat extra für uns einen kleinen Adventskalender besorgt und in unseren Arbeitsraum gestellt, damit wir jeden Tag zusammen ein weiteres Türchen aufmachen können :)

 

Und auch in der Kirche hat sich einiges verändert. Zum einen benutzten wir jetzt nur noch die Hauptkirche, was sehr gemütlich ist und natürlich gibt es auch hier eine dezente Adventsdeko in Form eines Adventskranzes (der kein richtiger Kranz ist...)

Aber die auffälligste Deko ist natürlich unsere Weihnachtskrippe vor der Kirche. Diese Woche kommen die Hirten hinzu und dann noch die Könige bis sie Weihnachten dann komplett sein wird.

Vor allem die Sonntage sind hier jetzt sehr schön, denn nach der Messe treffen sich alle draußen an der Krippe, es gibt heiße Getränke und alle bewundern die Tiere an der Krippe, denn wir haben jeden Sonntag ein anderes Tier hier zu Gast, wie zum Beispiel Pipo, dem Esel.
Ich liebe diese Sonntage hier.

  unsere Krippe hier Maria, Theresa und PIPO!

Auch die Schwestern haben sich etwas Besonderes für uns zum Advent ausgedacht. Am ersten Adventssonntag haben wir uns auf einen kleinen Pilgerweg nach Bray aufgemacht, wo wir in der kleinen Dorfkirche ein Gebet gehalten haben. Und danach wurden wir von den Schwestern mit heißem Tee, Kakao und leckerem Kuchen überrascht. Ein wirklich gelungener Nachmittag, der Zeit zum Austausch bot und an dem auch das Wetter es gut meinte und uns schönsten Sonnenschein schenkte.

  bei sonnenschein und heissem Tee macht pilgern doch Spass!

Auch das restliche Leben hier geht seinen Lauf. Jetzt sind wirklich nur noch ein paar Besucher hier (diese Woche gerade mal 25) und so rücken wir Permanents immer näher zusammen. Es ist schön, dass wir so langsam mehr Zeit haben uns auch unter einander besser kennen zu lernen oder einfach mehr Zeit mit einander zu verbringen. Vor allem jetzt, wo die Tage kürzer werden und sich eine leichte Winterdepression breit macht, ist es gut auch mal Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang oder ein längeres Gespräch zu haben. So wird uns nicht langweilig und die Stimmung bleib gut bzw. wird immer besser ;)

 

Für mich gab es aber auch einige Veränderungen nachdem ich aus Polen zurück gekehrt war. Ich habe schon ein paar Tage gebraucht in dem „Wintertaizé“ an zukommen und dann musste ich auch noch in einen neuen Raum in N'Toumi umziehen. Da sich unser Zimmer damit auflöste, blieb uns nichts anderes übrig als unsere Zimmerparty endlich zu veranstalten. Zimmerparty heißt: Rosy spielt Gitarre, ich Flöte uns Nina tanzt auf dem Tisch:

ZIMMERPARTY! YEAR!

Nach diesem Spaß war ich dann bereit zu meinen neuen Roommates über zu siedeln. Jetzt wohne ich mit Moon aus Korea und Fatima von den Philippinen zusammen und von Tag zu Tag verstehen wir uns besser.

Ja das Leben hier in N'Toumi rückt immer näher zusammen.

 

Was die Arbeit angeht kann ich mich wirklich nicht beschweren, denn alles was ich hier machen wollte, durfte ich in den letzten Wochen machen.
Zum einen haben wir begonnen das Programm für Olinda vor zu bereiten. Das heißt, wir planen das Programm für die Kinder, die mit ihren Eltern Taizé im Sommer besuchen. Dafür haben wir uns die Bibelstellen angesehen und die Themen für jeden Tag festgelegt. Und dann hieß es kreativ sein und ein thematisches Programm erstellen. Das hat super viel Spaß gemacht und es war wunderbar mal wieder kreativ zu sein, sich etwas selbst auszudenken und zu planen. Und Orsi, unsere Verantwortliche, war jeden Tag mehr von unseren Ideen begeistert. Allerdings wird die Arbeit jetzt bis Januar Ruhen, denn das Treffen in Berlin steht vor der Tür und so vieles muss noch vorbereitet werden.

Apropos Berlin, mein Dauerjob, das Nähen der Dekoration macht echte Fortschritte. Wir haben jetzt die orangen Vorhänge fertig gestellt und machen uns jetzt an die restlichen 32 Vorhänge einer anderen Farbe...

Ich im orangen Glueck ;) Ordnung muss sein

Ja das ganze ist so interessant, dass ständig irgendwer bei uns vorbei schaut und mal einen Blick auf die Deko werfen will. Das geht jetzt schon soweit, dass Zeitung und Fernsehen bei uns auftauchen. Ziemlich aufregend also!

Ja und diese Woche habe ich jetzt endlich auch mal die Chance Deep Cleaning in der Big Kitchen zu machen :)

Das ist ziemlich anstrengend aber auch sehr lustig!
Die doch eher praktische Arbeit animiert in irgendeiner Weise unser Gehirn zu kreativen Höchstleistungen. Ob es nun Deep-Cleaning-Songs oder Motivation-Speeches sind, es ist immer ein Meisterwerk!
„I belive I can clean“ oder „Can you feel the dirt inside“ sind nur 2 Beispiele :D

  Ja, so muss Deep Cleaning sein, mit vollem Einsatz fuer ein sauberes Taizé!

Letzten Samstag gab es dann endlich den Höhepunkt der letzten Wochen: Maciej hat das weiße Gewand erhalten und ist jetzt Bruder der Communauté.
Das ganze läuft eigentlich sehr einfach und unspektakulär ab. Im Abendgebet kleidet Bruder Alois den neuen Bruder ein und ein Gebet wird gesprochen etc.
Trotzdem war das ein wunderbarer Moment. Sehr familiär und nah.
Ja und das wahr natürlich tagelang das Top-Gesprächsthema :)

 

Und ein Gutes gibt es noch zu berichten, denn wer hat schon die Möglichkeit am 1. Dezember im T-Shirt draußen die Sonne zu genießen? Danke Taizé!

Sonntag, 08.01.2012

Bleibet hier

Oulala, was für aufregende Wochen!

Obwohl das Ganze erstmal bescheiden angefangen hatte, waren es wirklich ganz besondere Tage hier in Taizé und natürlich auch in Berlin.

Aber jetzt eines nach dem anderen.

 

Am zweiten Adventssonntag war ich echt mies gestimmt, denn meine Arbeit ließ doch sehr zu wünschen übrig (Common Room, El Abiodh und Locking Dormitories am Abend und kein Nähen!) und Rosy war in Silence. Alles deutete darauf hin, dass diese Woche eine Mistwoche werden würde und dem entsprechend war ich auch gelaunt.
Aber als ich dann völlig abgehetzt in Abendgebet saß und meine Notizen der letzten Wochen durch blätterte, blieb ich an einer kleinen Geste und Lebensweisheit von Edmund hängen: Bad things turn into good things!

Und so kam es dann auch während der Woche.

 

Gut, meine Arbeit blieb langweilig, denn wenn man einsam den Common Room putzt, erlebt man nicht so sehr spannende Dinge. Höhepunkte am Vormittag während der Woche: Jean und Olivier haben die Mausefalle überprüft (WOW, Jungs in N'Toumi!) und Lorenz und Florian haben das Einsammeln von Müll mit einem kleinen Besuch verbunden (WOW, schon wieder Jungs in N'Toumi!). Nachmittags im El Abiodh war es auch nicht so spannend, denn da wir viele Gäste im Haus hatten, bestand meine Hauptarbeit darin, Betten vorzubereiten und die Zimmer zu putzten...

Dafür hatte ich nachmittags immer viel Freizeit für Spaziergänge und ich habe es sogar geschafft meine Wäsche zu BÜGELN!

In diesen langweiligen Stunden am Nachmittag, in denen alle anderen arbeiten waren außer mir, habe ich mich dann an das erinnert, was Sr. Muriel mir im letzten Treffen gesagt hatte, ich solle heraus finden, welche Sachen mich aus einem Stimmungstief herausholen können.

Also habe ich ich mal auf die Suche gemacht. Spaziergänge bei schönem Wetter rund um Taizé können echt hilfreich sein. Einfach mal die Welt Welt sein lassen und sich an der Schönheit der Natur erfreuen. Doch nach einigen einsamen Runden durchs Dorf wird auch das etwas langweilig.

Ok, was könnte noch meine Stimmung heben?
In den Gebeten ist es mir dann wieder eingefallen: Singen!
Das ist echt einfach und man kann es jederzeit und überall tun. Und weil das Singen in den Gebeten nicht genug war, habe ich die Dorfkirche für mich entdeckt.

Jeden Abend gehe ich seitdem nach dem Abendgebet in die kleine Kirche und singe. Da es jetzt nur noch kleine Wochen sind, ist die Kirche sowieso meistens leer, doch ab und zu gibt es kleine Ausnahmen, die oft wunderbare Begegnungen mit sich bringen. An einem Abend beispielsweise kam Dainuis herein und wir sangen zusammen fast eine Stunde lang und seit dem verstehen wir uns wirklich bestens, obwohl wir vorher fast gar nichts mit einander zu tun hatten.
Oder an einem Abend habe ich Bernadette in der Kirche getroffen und sie hat mir erzählt, dass sie das früher sehr oft gemacht hat und es so schön ist, wieder jemanden hier zu treffen und zu singen :)

Und ab und zu sind wir ein ganzer Trupp von Permanents, die gemeinsam zur Kirche gehen und die herrliche Akustik genießen. Wie letztens, als wir bestimmt 20 waren. Und an ganz besonderen Abenden gibt’s sogar einen kurzen Besuch von einem der Brüder, die bereitwillig unsere Sangeskünste in der Kirche akzeptieren.

Ist es da ein Wunder, dass gerade das Singen mit am Ende eine wunderbare Woche bescherte?

Die Singgeschichte geht nämlich noch weiter: an einem Abend fragte mich Sr. Sietske, ob ich bei ihr vorsingen könnte, um Support Singer zu werden. Gesagt getan und schon am nächsten Tag war ich dabei! Allen, denen beim Begriff „Support Singer“ nur ein großes Fragezeichen in den Sinn kommt, hier eine kleine Erklärung: Die Support Singer in Taizé unterstützen die Brüder im Gebet, wenn es um die Musik geht. Heißt konkret, wir starten die zweite Stimme bei einem Kanon und singen die Lieder nach dem Gebet an. Das macht echt Spaß und ist natürlich auch ziemlich cool ;)

Bei der ganzen Singerei ist uns dann spontan die Idee gekommen mal eine Chor-Namaste zu machen und haben das auch direkt in die Tat umgesetzt. Vorrangig wurden Adventslieder gesungen, aber da es der Abend vor meinem Geburtstag war, auch ein Gebutrstagskanon mit Ohrwurm Qualitäten.

 

Apropos Geburtstag, ja das war echt eine richtig coole Sache. Geburtstage in Taizé sind einfach genial. Gleich am Morgen wurde ich in Common Room von einem riesigen Poster und Blumen überrascht und von Glückwünschen überhäuft und natürlich reichlich oft umarmt.

Nach dem Mittagsgebet wurde ich dann von meinem Geburtstagschor vor der Kirche besungen, was einfach wunderbar war. Die Sonne schien und wirklich wunderbare Menschen (Maria, Doro, Lorenz und Friedemann) singen ein beschwingtes Lied mit wunderbarem Text (Du bist heute nicht allein und so soll es immer sein, dass du Menschen findest, die das Leben mit dir gehen). Wow, was man mit so einfachen Dingen für schöne Momente zaubern kann.
Am nächsten Abend haben Anna, die dann Geburtstag hatte, und ich eine kleine Geburtstags-Namaste gegeben. Mit Taizé-Kuchen, Musik und viel Spaß. Was für ein besonderer und schöner Geburtstag :)

  so wid man hier an seinem Geburtstag begruesst :) Geburtstagskuchen im Taizéstil. Wir haben ihnen die namen Choclate und Something geben. War aber lecker. Ehrlich :)

Zurück zur Mission „Raus aus dem Kummertal“. Schon in der Woche davor hatte ich ein paar Abende mit in der Kirche geholfen und gemerkt, wie sehr ich diese Arbeit vermisst hatte. Einfach die Kirche für das Gebet vorbereiten, hinter den Kulissen arbeiten und der Gemeinde ein schönes Gebet ermöglichen. Ich hatte das alles wirklich vermisst und bin nach der Arbeit immer gut gelaunt ins Bett gegangen. Und so beschloss ich auch weiterhin Abends in der Kirche zu helfen, was in jener Woche umso lustiger war, denn mit Bram und Jakob gab es immer eine Menge zu lachen und wenn Bruder Francesco noch eine seiner berühmten „Good-Night-Stories“ zum Besten gab, war der Abend perfekt!

Und da ich ja auch am Nachmittag frei hatte, konnte ich auch dann in der Kirche helfen, was noch lustiger war, denn am Nachmittag ist dann doch auch ziemlich viel Zeit zum quatschen und Späße machen und so glichen manche Szenen aus der Sakristei dann doch eher einem Kindergeburtstag als seriöser Arbeit ;)

Kirche ist definitiv einer meiner Lieblingsarbeiten hier in Taizé und Dank meiner freiwilligen Arbeit über mehrere Wochen bin ich mittlerweile ein echter Experte darin^^
Und natürlich ist das ganze auch ziemlich spannend und es gibt immer was neues zu entdecken. Und selbst in der Sakristei der Brüder kann man lustige und überraschende Sachen erleben...

  So viel Spass kann arbeiten machen. Zumindest in der Kirche :)

Wo wir gerade schon bei den Brüdern sind, am 3. und 4.Advent haben wir schon wieder je einen neuen Bruder in der Communauté begrüßen dürfen. Jubaraj und Hein haben das Gewand bekommen und sind jetzt Bruder Jubaraj und Bruder Hendrik. Ganz schön aufregend. 3 neue Brüder in gerade mal einem Monat!

 

Zurück zum 3. Advent, denn an dem Wochenende ist echt eine Menge passiert.

Am Sonntag haben wir in Taizé das Licht aus Bethlehem empfangen. Zunächst wurde vor der Krippe gesungen und dann in der Kirche während eines kurzen Gebetes das Licht an alle weiter gegeben. Echt eine richtig schöne Zeremonie.

Das Licht aus Bethlehem in Taizé. Nach Berlin haben wir es uebrigens auch mit genommen.

Vorher am Mittag gabs es für uns Mädchen eine kleine Überraschung, denn die Schwestern hatten ein üppiges Mittagessen für uns vorbereitet. Wir wurden von den Schwestern bedient und durften uns heute ausnahmsweise auch mal einen Schluck Wein gönnen, denn das Essen war als Dankeschön für unsere Arbeit hier in Taizé gedacht. Eine wirklich schöne Aktion, die sich beim gemütlichen Beisammensein fast 2 Stunden hinzog.

Dankeschoen-Essen mit den Schwestern :) und nochmal

Ja und dann habe ich ja auch noch meine neue Arbeit bekommen, was für die letzten 2 Wochen vor Weihnachten hieß: Point 5 Queen, Pardon „Main Responsible“ natürlich ;)
Also 2 Wochen lang verantwortlich fürs Putzen in Taizé!

Toll an der Sache war, dass bevor ich überhaupt meine Arbeit begonnen hatte, direkt alles schief gelaufen ist, denn Kommunikation ist hier manchmal etwas schwierig...
Aber ich habs gewuppt, auch wenn manche Leute es nicht für nötig halten sich für hausgemachte Fehler mit negativen Auswirkungen bei den Geschädigten zu entschuldigen. Was solls, das ist offensichtlich monastic...

Außerdem gabs nach einer Woche die Rückkehr ins Dekorationsteam, weil Not am Mann war. Ich habs ja gesagt, dass sie das nicht rechtzeitig fertig bekommen, aber gut...
Ja von da an hieß es dann „ Sew I am near says the lorry!“, denn der LKW mit der Deko sollte Taizé voll bepackt am Dienstag verlassen, was für uns eine Menge Extraschichten mit sich brachte, aber wir haben es geschafft!

  Das Extra-Shift-Team in der Deko ^^

Die letzte Woche vor Berlin habe ich im Cadole gearbeitet, denn Deep Cleaning der Toiletten stand auf dem Programm: Das ist mit eine der lustigsten Sachen, die ich hier bis jetzt gemacht habe, denn zwischen WC-Mousse und Politur gab es immer verdammt viele Späße!

We love Cadole!

Ein Herz fuer Cadole und ein Herz fuer Deep Cleaning
Am 23. hatten wir unsere kleine aber feine Weihnachtsfeier mit den Schwestern, ein paar Brüdern UND den Jungs (WOW). Echt nett, jedes Land hat ein Weihnachtslied präsentiert und anschließend gab es Gelegenheit zum Quatschen und lockerem Beisammensein mit Tee und selbst gebackenen Weihnachtskeksen.
Wir Deutschen, immerhin eine Truppe von 20 Permanents, haben uns nach langer Diskussion und mehren Abstimmungen dann auf „Ich steh an deiner Krippen hier“ geeinigt und die anderen Nationen mit einem Chorsatz überrascht.

Ein wirklich schöner Abend!

Der Weihnachtsabend an sich war dann eher schlicht. Die Messe war zwar ziemlich voll, aber irgendwie überhaupt nicht feierlich und weihnachtlich. Als wir dann vor der Krippe standen und sangen, kam dann doch etwas Weihnachtsstimmung auf und wir wünschten uns gegenseitig frohe Weihnachten.

Und dann ging es danach direkt auf große Reise nach Berlin. Nach intensivem Taschenpacken, für einige geht es ja leider direkt von Berlin nach Hause in die Heimat, sind wir in unsere Busse gestiegen und los gedüst.

Echt ein Jammer, dass so viele nicht mehr von Berlin nach Taizé zurück kommen werden. Einige hat man doch schon sehr in sein Herz geschlossen und die Lücken, die sie reißen müssen im neuen Jahr erst mal wieder gefüllt werden...

 

Nach 15 stündiger Busfahrt kamen wir endlich auf dem Messegelände in Berlin an. Dort wurden wir auch gleich herzlich von den Brüdern, Schwestern und Permanents des Vorbereitungsteams begrüßt, mit einem Mittagessen verköstigt und haben die ersten Infos über unsere Unterkunft erhalten.

Nach einer gemeinsamen Eucharistie am Abend sind wir dann in unsere Quartiere aufgebrochen. Ich hatte echt Glück, denn ich war mit 14 anderen Mädels im Franziskus Krankenhaus direkt am Zoologischen Garten untergebracht.

Sehr zentral und mit echt bequemen Betten ;)

so haust man in Berlin ;)

Am nächsten Tag ging es dann früh morgens auf dem Messegelände los. In allen Räumen wurde fleißig vorbereitet und aufgebaut und auch ich hatte den ganzen Tag eine Menge Arbeit.
Ich war die ganze Woche im Lager unterwegs, was sehr spannend, lustig und aufregend war. Gleich am ersten Tag kamen pünktlich um 9 Uhr die Mandarinen und Äpfel für die ganze Woche an und wir hatten alle Hände voll zu tun.
Dann blieb uns aber doch ein wenig Zeit das Team kennen zu lernen und Ferenc erklärte und unseren Job, der hauptsächlich aus Warenannahme und dem Vorbereiten der Essensausgabe bestand.
Das war aber eine ziemlich umfangreiche Aufgabe, denn für 25000 muss man auch erst mal das Essen vorbereiten und so hieß es für uns als Verantwortliche jeden Tag 10 Stunden arbeiten im Lager!

Das ist doch mal eine wuerdige Essensausgabe. 16 Reihen fuer 25000 Leute

Und hinzu kamen dann noch die Arbeitsbedingungen. So ein Lager in einer Messehalle ist jetzt nicht gerade der Ort an dem man mit Freude 10 Stunden seines Tages verbringt, schon allein wegen der Optik nicht, aber bei uns kam noch der Lärm (so eine Halle ist ein toller Resonanzkörper...) und die Kälte, denn unsere Mandarinen mochten es frisch. Wir haben es dann die „mandarine freshness“ getauft. Man muss es ja mit Humor nehmen ;)

Aber neben der vielen Arbeit blieb natürlich auch viel Zeit für Späße und Gelegenheiten sich besser kennen zu lernen, was wirklich schön war, denn wir waren ein wirklich tolles Team :)
Neben den ganzen Jungs (8 an der Zahl) gab es noch Mylène und mich, auch bekannt als die Stock Girls ;)

Als Teambildungsmaßnahmen wurden in den Pausen kleine Spiele gespielt oder Sport getrieben, denn unser „Stockball“ erwies sich als prima Aufwärmprogramm:

  unsere Erfindung: Stock Ball!

Da ich als eine der wenigen im Lager Deutsch spreche, hatte ich direkt vom zweiten Tag an die Verantwortung für die Frühstückausgabe ab die Gastgemeinden mit Gruppenunterkünften.
Da habe ich dann auch gleich ein „Diensthandy“ bekommen und wurde meiner Arbeit überlassen. Wenn man erstmal so ein Taizé Handy hat hat man wirklich keine ruhige Minute mehr, ständig ruft jemand an und will etwas wissen...
Neben dem ganzen Stress zwischen Butter und Marmelade gab es aber auch eine der wundervollsten Geschichten des ganzen Treffens:
Da ziemlich viele Gemeinden zu wenige oder gar kein Frühstück bestellt hatten, ging und bald das Brot aus und wir mussten eiligst neues beschaffen und das gleich zwei Mal. Aber selbst nach der zweiten Nachbestellung ging uns am Abend des zweiten Tages das Brot aus. Fertig, deprimiert und mit unserem Lager-Latein am Ende sahen Ferenc und ich einem desaströsen Abend entgegen, als ein Mann ins Lager kam und fragte, ob wir Brot gebrauchen könnten.
Das ließen wir uns nicht zweimal sagen; diesen Mann schickte der Himmel!
Er brachte uns 40 herrliche, handgebackene Biobrote in den delikatesten Sorten.
Unser muslimischer Brotengel erklärte uns, dass er vor 30 Jahren einmal mit fr. Alois zu Abend gegessen hatte und für dieses Erlebnis noch heute so dankbar sei, dass er mit dem Brot etwas zurück geben wolle, was er damals erfahren hatte.
Und dann war der Brotengel auch schon wieder verschwunden.
Fazit: Es gibt Wunder und Gott liebt Taizé. Oder um es in Taizé-Worten zu sagen: Ich verstehe deine Wege nicht...

 

Neben der Arbeit hatte ich leider nur wenig Zeit das Treffen zu genießen, eigentlich habe ich außer den Gebeten nicht wirklich etwas mitbekommen. Ich habe es gerade mal hin bekommen meine Eltern und ein paar Freunde aus meiner ersten Woche während des Tages zu treffen.
Dafür haben wir Permanents die Abende in vollen Zügen genossen, denn nach dem Abendgebet blieb dann meistens doch noch genug Zeit und Energie, um sich in einer Bar zusammen zu setzten und den Tag ausklingen zu lassen oder eine kleine nächtliche touristische Tour durch Berlin zu machen.

  auch schoen: nachts in Berlin

Besonders schön war mal wieder der Sylvesterabend. Da wir noch bis um 22.30 Uhr auf dem Messegelände zu tun hatten, konnten wir nicht mehr rechtzeitig in „unsere“ Gemeinden zum Gebet um den Frieden fahren und so beschlossen wir gemeinsam den Jahreswechsel zu verbringen und fuhren zum Berliner Dom. Das war echt die beste Entscheidung des Abends, denn das Gebet im Dom mit fr. Alois und einigen anderen Brüdern war wunderschön.
Vielleicht klingt es seltsam, aber das neue Jahr in Stille willkommen zu heißen ist so besonders und berührend, dass wir uns nach dem Gebet einig waren, dies nächstes Jahr zu wiederholen. Im Anschluss an die Stille haben wir uns alle den Frieden gewünscht und das war für mich einer der schönsten Momente in Berlin. Von den lieben Menschen um einen herum in den Arm genommen zu werden und sich Frieden für das neue Jahr zu wünschen, war wirklich sehr berührend und ein wunderbarer Abschluss dieses Treffens.
Nach diesem so bewegenden Gebet waren wir auch nicht mehr in der Stimmung groß Party zu machen und machten uns gemeinsam auf den Heimweg, zumal es auch schon 1.30 Uhr war.

 

 

Nach dieser anstrengenden Woche, einem tränenreichen Abschied und einer 15 stündigen Busfahrt sind wir am 2. Januar wieder in Taizé eingetroffen und haben jetzt eine sehr, sehr ruhige Woche genossen, denn es waren KEINE Besucher hier.
Wir N'Toumi Girls sind alle ins El Abiodh umgezogen, was echt sehr viel wohnlicher ist, als die N'Toumi Baracken, und haben es genossen diese Woche mal nur halbtags arbeiten zu müssen.
Ich war diese Woche wieder Point 5 Queen, was aber die vielleicht lustigste Piont 5 Woche aller Zeiten war, denn da es diese Woche nicht so viel Arbeit im Welcome etc. gab hatte ich die Ehre sogar Jungs aus Petite Morada in meinem Team begrüßen zu dürfen. Ich sag mal so, es war ziemlich lustig Friedemann in die Handhabung von Magic Stick und pinkem Schwamm einzuführen ;D

 

Und gestern ist dann der Tag gekommen, da ich nach Lambaréné umgezogen bin. Lamba, der Wohnort für die Mädels, die für eine sehr lange Zeit in Taizé bleiben.
Das Ganze ist schon etwas wohnlicher als N'Toumi, aber trotzdem natürlich sehr einfach. „Schrank“ würde ich das, worin sich meine Klamotten befinden, zum Beispiel nicht unbedingt nennen ;)
Jetzt muss ich mich erstmal in meinem neuen zu Hause ein leben, Tatiana, mit der ich mir mein Zimmer teile, besser kennen lernen und mich ein bisschen an die neue Situation hier gewöhnen.
Immerhin habe ich gleich mal den Lamba-Job „Fahrräder“ bekommen, weil in diesem Hühnerhaufen keine dabei ist, die einen Reifen flicken kann...
Mal sehen, ob ich meine 10 Freunde am Fahrradständer bis zum Frühjahr wieder flott bekomme.

 

Ansonsten ist es hier jetzt richtig ruhig geworden, da ja selbst ziemlich viele Permanents ab gefahren sind oder diese Woche auf Home Visit in der Heimat sind. Aber das biete ja auch die Gelegenheit ein bisschen mehr zusammen zu rücken und diejenigen besser kennen zu lernen, die einem hier erhalten bleiben. Am Donnerstag zum Beispiel habe ich erstmal mit Lorenz und Friedemann das herrliche Regenwetter für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt. Das war richtig lustig, obwohl wir durchnässt, durch gepustet vom Wind und voller Matsche wieder in Taizé eintrafen :D

Das waren erstmal die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen. Ich wünsche euch allen einen guten Start in das neue Jahr und melde mich demnächst wieder.

Dienstag, 14.02.2012

Tu m'écoutes

Von wegen ruhiges Wintertaizé! Hier ist echt eine Menge los.
Obwohl wir in den letzten Wochen noch immer wenige Besucher hatten, kann man nicht gerade sagen, dass es langweilig würde. Zu viele spannende Dinge passieren hier jeden Tag, dass ich nicht mal dazu gekommen bin euch ein wenig davon zu berichten.

 

Die vergangenen ruhigen Wochen haben natürlich vor Allem ein sehr aktives Common Life mit sich gebracht.
Nachdem die Mädels von ihren Homevisits und Berlin zurück gekehrt waren, kam richtig Leben nach Lambaréné.

Mit Marieke, Stina und meinen polnischen Stimmungskanonen belebe ich seit dem unser Gemeinschaftsleben, was vorher doch etwas kläglich daher kam.
Ab und zu findet man uns unvernünftiger Weise bis 4 Uhr im Commonroom bei Spielnächten oder angeregten Gesprächsrunden.
Ja so langsam fühle ich mich hier wohl und zu Hause.
Da Tatiana in ein anderes Zimmer umgezogen ist, darf ich jetzt den Komfort eines Einzelzimmers genießen, was es mir in erster Linie ermöglicht die Nächte noch kürzer zu halten...
Und natürlich habe ich auch einfach ein bisschen mehr Platz es mir wohnlich und gemütlich zu machen.

Aber auch mit den Jungs gibt es einige Aktivitäten zu vermelden. Vorrangig natürlich in Namaste. Sein es nun Abschiedsnamaste für einige liebe Permanents (leider die Abfahrt zu vermelden bei den Philippinos, Vivien, Elisabeth, Michal, Sarah, Johannes und Luis) oder auch Happy Namaste.
Wir haben unsere zarten Chorversuche fortgesetzt, wobei Lorenz, Friedemann und ich noch immer die Hauptinitiatoren sind. Aber erste Begeisterung hat sich schon eingestellt.

Da es auch im El Abiodh recht ruhig ist, bietet sich ab und an auch mal einen kleinen nächtlichen Schwatz mit unserem Nighguard zu halten. Da das jede Woche ein anderer der Jungs ist, wird es auch nicht langweilig. Und die Aktivitäten fallen sehr unterschiedlich aus, reichen von Ligretto bis Kaffeklatsch ;)
Ja Nächte im El Abiodh können lang sein...

 

Ich weiß nicht genau warum, aber hier in Taizé haben Spaziergänge etwas Besonderes an sich. Vielleicht ist es die wunderschöne Landschaft, die dieses Dorf umgibt. Vielleicht ist es die Ruhe und Abgeschiedenheit, die ein so seltenes Gut unserer Zeit ist. Vielleicht liegt es an den guten Gesprächen, die man unterwegs führt.
Vielleicht ist es aber auch die Mischung aus allem.
Auf jeden Fall spielen Spaziergänge für uns Permanents zur Zeit eine große Rolle, denn sie sind so ziemlich die einzige Möglichkeit für lange und ungestörte Gespräche. Sobald man sich nämlich in Taizé aufhält dauert es üblicherweise keine 10 Minuten, bis jemand sich dazu gesellt und man wieder im Taizé-Smalltalk endet. Unterhaltungen in Taizé können seltsamer Weise nur zwei mögliche Richtungen einschlagen. Meistens läuft eine Unterhaltung zwischen Permanents so ab:
„Hi, wie gehts?“
„Gut und dir?“
„Auch danke. Was ist denn deine Arbeit diese Woche?“
„Cadole am Morgen und El Abiodh Kitchen. Und bei dir so?“
„Courrier und Olinda. Wie letzte Woche.“
„Oh beautifuul. Ok muss los. See You!“
„Ja, See you.“

Das ist der typische Taizé Smaltalk, über den man in 80% der Fälle nicht hinauskommt. Sei es aus Zeitmangel oder was auch immer.
Aber manchmal und da liegt es sicherlich auch an der Person, mit der du dich unterhältst, bist du nach 3 Sätzen in einer sehr, sehr tiefen Unterhaltung. Und genau für diese Unterhaltungen musst du allerdings aus Taizé fliehen, wenn sie länger als 10 Minuten dauern sollen. Ist das nicht ein seltsames Paradox?
Du triffst diese besonderen Menschen, die dein Herz berühren, an diesem Ort und dann musst du diesen Ort verlassen, um das Besondere mit diesen Menschen zu erleben.

Wie auch immer, die Spaziergänge sind auf jeden Fall sehr wichtig geworden.
Vor allem die Morgenspaziergänge vor dem Morgengebet haben etwas Magisches an sich.
An dem Morgen, an dem Sarah gefahren ist, waren Marieke, Sarah und ich morgens spazieren und es war einfach wunderbar. Gerade als wir auf dem gegenüberliegenden Hügel angekommen waren ging über Taizé die Sonne auf. Was für ein Moment.
Und obwohl es wirklich bitter bitterkalt war, haben wir diesen Spaziergang so genossen.

Die Krönung ist aber ein Spaziergang in Kombination mit einem ruhigen sonnigen Sonntag. Dann kann man stundenlang die wunderschöne Natur und Landschaft genießen und man trifft meist völlig zufällig ein paar nette Leute, mit denen man sich dann unterhalten kann und den Weg teilt. Einfach herrlich!

Ich genieße diese Stunden außerhalb von Taizé wirklich sehr. Mittlerweile habe ich meine „Wegbegleiter“ gefunden. Menschen, mit denen eine oder zwei Stunden wie im Flug vergehen. Stunden, in denen man einfach nur durch die Gegend geht und redet. Und zuhört.

Nach einem intensiven und langen Ausflug in die fußnahe Umgebung ist es aber dann auch immer wieder schön nach Hause zu kommen und seine kleine Taizéwelt mit neuen Augen zu sehen. Denn nach einem Taizéspaziergang ist man immer ein kleinen Wenig verändert.

 

Am 15 Januar waren wir zu einem Sharing bei den Schwestern eingeladen. Wir haben uns am Nachmittag zum Gebet bei ihnen in ihrer Kapelle getroffen und und danach in ihrem Haus bei Tee und Keksen aus getauscht. Das war wirklich ein wunderbares Treffen, denn auf der einen Seite haben wir viel über die Schwestern von St. André gelernt, auf der anderen Seite war es aber auch ein sehr offener Austausch. Mir hat es auf jeden Fall sehr geholfen meinen Platz hier in Taizé zu finden. Für uns Mädchen ist es ja manchmal nicht so einfach hier seinen Platz zu finden, denn wir leben ja nicht wirklich mit den Brüdern, wie die Jungen, aber auch nicht mit den Schwestern. Also irgendwie irgendwo zwischen diesen beiden völlig unterschiedlichen Gemeinschaften, was manchmal wirklich nicht einfach ist. Die Schwestern haben sich wirklich von einer verständnisvollen Seite gezeigt und wir konnten offen über unsere Situation reden. Jetzt fällt es mir wirklich leichter zu akzeptieren, dass mein Platz hier eben dazwischen ist.
Natürlich war es auch ziemlich interessant mehr über die Schwestern und ihre Anfänge hier in Taizé zu erfahren, denn die Brüder luden die Schwestern ein nach Taizé zu kommen, um Postkarten zu verkaufen. Und daraus hat sich dann diese langjährige und enge Zusammenarbeit entwickelt. Und erst seit die Schwestern hier sind, ist es überhaupt möglich auch Mädchen für längere Zeit hier willkommen zu heißen.

Überhaupt haben die Schwestern in letzter Zeit echt tolle Ideen um uns uns vor allem spirituell weiter zu bringen.
Wir hatten in der ersten Februar Woche unsere „Reflection Week“ für die Permanents. Das heißt nur den halbe Tag arbeiten und die andere Hälfte in irgendeiner Weise über (Bibel)Texte reflektieren.
Leider hatten die Brüder es nicht so raus ein kontinuierliches Programm zum Thema „Vertrauen zwischen Menschen“ zu gestalten. Zwar waren die Bibeleinführungen am Montag und Donnerstag ganz interessant, aber wir hatten leider nur wenig Möglichkeit uns überhaupt miteinander auszutauschen.
Da waren die Tage, an denen wir in unseren „Lebensgruppen“ (Jungs und Mädels getrennt) zusammen waren deutlich besser, denn für uns Mädels haben dann die Schwestern das Programm in die Hand genommen, was wesentlich strukturierter war.
Ganz besonders hat mir persönlich der Samstag etwas gebracht, denn da haben wir ein bisschen etwas aus den Exerzitien des St Ignatius ausprobiert. Das war endlich mal wirkliche Reflektion. Sei es in persönlicher Stille oder in der Gruppe.
An diese Einheit in der Reflection Week anschließend hatten wir ein sehr interessantes Sharing mit den Schwestern. Sie haben uns eine Methode ausprobieren lassen, wie wir mit der Bibel beten können. Obwohl wir eine wirklich sehr bekannte Textstelle hatten (5 Brote uns 2 Fische, ihr wisst schon...), kamen im Sharingpart des Abends so überraschende Sichtweisen auf diese Geschichte zu Tage, dass ich diesen Text mit ganz anderen Augen sehe. Hättet ihr gedacht, dass man ausgerechnet in dieser Bibelstelle so viele unterschiedliche Alltagssituationen und Gefühle wiederfindet? Wie unaufmerksam man doch häufig an die gute alte Bibel herangeht. Dabei kann man so viele neue Denkanstöße darin finden.

 

Ich muss ja zugeben, dass mir hier ein wenig der Winter gefehlt hat, das Wetter erinnerte die meiste Zeit doch meistens eher an einen grauen Novembertag, aber Mitte Januar hatten wir doch glatt 4 wunderschöne kalte Wintertage. Zwar gab es keinen Schnee, aber der Nebel, der an den Zweigen von Bäumen und Büschen gefror, tauchte Taizé in ein zauberhaftes Weißes Gewand. Wirklich „beautifuuul“!

Und die Nächte waren auch einfach wundervoll. Bitterkalt, aber wenn man ein bisschen aus dem Dorf hinaus ging, konnte man einen atemberaubenden Sternenhimmel bewundern. Geradezu einladend für Nachtspaziergänge mit eine netten Begleitung und einem guten Gespräch.

Und einen Tag bevor die Phillipinos leider schon abgefahren sind, gab es dann doch tatsächlich noch SCHNEE! Wow, wie cool.
Seit dem haben wir jetzt schon seit einer Woche sibirische Kälte (-10°C), sodass uns die weiße Pracht erstmal erhalten blieb.

Und gestern hat es doch tatsächlich nochmal einige Zentimeter Neuschnee gegeben!
Und natürlich hat uns der Schnee auch zu großartigen Aktivitäten ermuntert, denn seit dem vergeht kein Tag, an dem es nicht wenigstens eine Schneeballschlacht der Permanents gibt. Manchmal glatt mit brüderlicher Beteiligung...

Taizé im Schnee :)

Und die Quelle ist mittlerweile komplett zu gefroren und die Eisschicht so dick, dass man prima darauf gehen kann. Schlittern inklusive.

  AUF der Quelle ist man ja auch nicht alle Tage

So von den heiteren Stunden zurück zur Arbeit. Da ja schon wieder so viel Zeit vergangen ist, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe, gibt’s natürlich auch viel hierbei zu berichten.

Also los geht’s:

In meiner ersten Woche in Lamba hatte ich wirklich sehr gemütliche Jobs. Morgens bin ich mit Lavinia die Häuser außerhalb Taizés abgefahren, hab Decken hin und her kutschiert und so was. Da habe ich natürlich auch gleich die negativen Seiten der frostigen Winterpracht erleben dürfen, denn zum ersten Mal in diesem Jahr kam der Eiskratzer zum Einsatz.

Aber den wirklich verrückten Part im Kapitel „Autofahren in Frankreich“ durfte ich an dem Mittwoch erleben, denn da haben Louise und ich Betty zum Flughafen und Marga ins Zentrum von Lyon gebracht. Bis zur Rückfahrt ein ganz entspanntes Unternehmen, doch in der Ruchhour durch Lyon zu fahren ist nun wirklich kein Kindergeburtstag. Die Franzosen fahren wie Italiener. Zumindest in Lyon ;)
Nach drei Notbremsungen und jeder Menge verrückter Verkehrssituationen, sind wir dann doch aus Lyon heraus gekommen und gemütlich wieder ins ländliche und nicht so verrückte Taizé zurück gekehrt.

Merke: Italien ist näher als du denkst!

 

Nach dieser verrückt entspannten Woche gab es endlich die Rückkehr ins Cadole und das gleich für 2 Wochen!
Und für mich war es auch gleich richtig abwechslungsreich. Von wegen 2 Wochen Deep Cleaning (was ich echt gerne gemacht hätte!). Emilien war der Meinung, dass ich als das einzige Mädchen im Cadole (ich frage mich bis heute, ob da nicht was beim Vergeben der Arbeit schief gelaufen ist...) mich um die Mülleimer kümmern sollte. Hintergrund ist, dass in Madras alle Mülleimer erneuert werden sollen und wir dafür die Platten bekleben mussten. Die Arbeit war zwar keine Herausforderung, Clément dafür um so mehr... ;)

Aber ich durfte am Ende der Woche dann doch noch ein wenig die Waschräume mit Grundreinigen, was echt lustig war mit den Jungs.
Frei nach dem Motto „One Person, One Shower, One Hour“ wurde in den Duschen zu guter Musik getanzt, manchmal mit unerwartetem Nass von oben...

In der zweiten Woche habe ich dann mit Luis, Mark und Mailiis die Zelte kontrolliert. Wobei das Kontrollieren die wenigste Zeit in Anspruch genommen hat. Mehr Zeit und Kraft ist beim Transportieren und (Ent-)Falten der blauen Pracht drauf gegangen. Aber immerhin konnten wir in der warmen Kirche arbeiten und jede Menge Spaß gab es auch.

Ja es ist unglaublich, aber wir haben schon wieder begonnen die ganzen Zelte für Ostern auf zubauen. Echt verrückt!

Das waren wirklich lustige Tage im Cadole; Luis hat mich zum stärksten Mädchen gekürt und der running Gag war und ist, dass ich die erste weibliche Cadole Responsible werde :D

Wobei ich dazu natürlich noch eine Kleinigkeit ergänzen muss, denn meine „männliche“ Fähigkeit Fahrräder zu reparieren, hat mir hier zu ungeahntem Ansehen verholfen und mich so zusagen zum Mann gemacht :D

 

Apropos Fahrräder. Da ich ja eine Woche Zeit hatte die Guten wieder flott zu machen, kann man auch von einem kleinen Erfolg sprechen, denn immerhin haben wir jetzt wieder 4 Zweiräder im fahrbaren Zustand. Für den Rest der invaliden Vehikel benötige allerdings neues Material. Vor allem Schläuche und Reifen. Shopping steht also auf dem Programm.
Ganz nebenbei hat mein enormes Engagement für unsere Fahrräder auch die Jungs in Petite Morada inspiriert die eigenen in Schuss zu bringen. Daraus ist glatt ein regelrechter Wettbewerb zwischen Lorenz und mir entbrannt. Wobei wir Mädels mit 4 Rädern die Nase vorn haben, obwohl die Jungs einen unlauteren Wettbewerbsvorteil haben (die dürfen sogar IM Cadole arbeiten! Zzz)

 

Kommen wir jetzt zu meinen neuen Dauerjobs.
Seit 3 Wochen arbeite ich jetzt im Courrier. Im Courrier werden die kompletten Anmeldungen für Taizé, der Email Kontakt über die Homepage, alle Arten von Anfragen etc. bearbeitet.

Wenn ihr euch jetzt also auf der Homepage anmeldet oder eine nette Nachricht schickt bekommt ihr eine nette Antwort von mir^^
Das ist schon eine ziemlich verantwortungsvolle Aufgabe und recht komplex ist unser internes Bearbeitungsprogramm auch...

Aber mittlerweile habe ich einen groben Überblick über die wichtigsten Funktionen und hab mir schon eine kleine Routine an gearbeitet. Nur wenn das Telefon (das mit der netten offiziellen Nummer...) klingelt gibt es meistens seltsame Sachen. Aber auch das ist im Nachhinein eigentlich immer lustig.
Generell kann man sagen, dass Leute ziemlich lustige Sachen schreiben :D

 

Zweiter Dauerjob ist die Vorbereitung für Olinda. Das ist echt cool. Die erst Woche haben wir noch an dem Programm gefeilt und an der Spielesammlung gearbeitet.
Aber jetzt arbeitet wir an den Requisiten für das Theater, was definitiv die coolste Arbeit hier ist! Zur Zeit sind wir dabei aus Pappmaché Schafe zu basteln. Ein bisschen Grundschulgefühl, wobei wir mit selbigem schon seit letzter Woche allen auf die Nerven gehen...

Nächste Woche werde ich aber dann damit anfangen die Kostüme zu nähen. Ein bisschen habe ich schon angefangen, aber ist noch ein Menge zu tun.
Mit dem Olindakram haben wir mittlerweile auch alle infiziert. Für unsere Schafe werden jetzt überall die alten Zeitungen gesammelt und da wir für eine Bastelaktion jede Menge Papprollen brauchen, werden jetzt die Kolpapierrollen in Taizé gesammelt. Angefangen bei uns in Lamba konnten wir auch die Schwestern für diese Aktion begeistern und auch bei den Jungs läuft alles unter dem Motto „Sch***** für Olinda!“
Olinda gibt uns ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl :D

 

Kurzer Newsflash aus der Communauté:

Seit dem 14. Januar haben wir mal wieder einen neuen Bruder. Daniel ist jetzt Bruder Jean-Daniel und somit sind jetzt fast alle der Jungs die letztes Jahr in die Communauté gezogen sind auch Bruder. Das ging schnell...

In der letzten Januarwoche haben die Brüder ihr jährliches Konzil gehalten.
Davon haben wir eigentlich nicht viel mitbekommen, außer dass die Kirche Vormittags geschlossen war.

Beeindruckend war jedoch der Abschluss des Konzils, denn im Abendgebet am Sonntag haben alle Brüder ihr Lebensengagement erneuert.

Zu Marialichtmess hat Bruder Alois uns Permanents mit einer wunderbaren Topfblume beschenkt. Als Dank für unsere Arbeit. Die Gute steht jetzt in meinem Zimmer und hofft auf ein langes Leben. Mal sehen, wie lange sie es bei meine Pflege aushält...

 

Die nächsten Zwei Wochen sind jetzt die verrückten Karnevalswochen, in denen wir mehrere Hundert Besucher erwarten. Diese Woche hat schon mit mehr als 600 gut angefangen und wir alle sind noch etwas unter Schock wegen der plötzliche Menschenmassen ;)

Ja, irgendwie passen so viele Leute noch gar nicht nach Taizé, alles ist noch sehr provisorisch. Aber wir werden das schon hin bekommen und danach winken uns noch 4 entspannte Wochen bis Ostern.

Mittwoch, 04.04.2012

Open in us the gates

Die Zeit rennt hier irgendwie schneller als zu Hause, aber da schreibe ich ja nichts neues als Entschuldigung für meine Abstinenz im virtuellen Raum.

 

Das Leben hier auf dem Hügel ist jetzt von der Fastenzeit geprägt und die Vorbereitung auf Ostern ist hier nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich deutlich zu merken.

 

Aber erstmal gab es die verrückten Karnevalswochen mit 700 und 1200 Besuchern.

Diese ganzen Wochen waren irgendwie völlig aus dem Taizéalltag der letzten Monate gerissen und dem entsprechend chaotisch ging es auch die ganzen Tage zu.

Alles war irgendwie noch völlig improvisiert. Bestes Beispiel war da mein Job in der ersten Woche, das Small Washing Up, was wegen der sibirischen Temperaturen ins Big Washing Up umgezogen war, was natürlich von der Raumaufteilung gänzlich ungeeignet war. Dazu kamen noch ein paar verrückte Franzosen in meinem Team und das Abwaschchaos war komplett!
An einem Abend, an dem ich völlig fertig in unseren Common Room kam, zeigte mir Signe ein kleines Buch, was von einer Ex-Permanent geschrieben worden war. Enthalten, unter dem Kapitel „Work in Taizé“ waren auch die drei goldenen Regeln für jede deiner Jobs hier:

  1. You love your job.

  2. You love your team.

  3. The rest will come.

Erheitert und motiviert von diesen so weisen Sätzen ging ich dann viel gelassener den Rest der Woche an.
Manchmal bedarf es eben eines kleinen Motivationsschubes. Man muss sich das vor allem in solchen, sagen wir mal schwierigen, Wochen klar machen, dass wir nicht hier sind um in erster Linie uns um uns selbst zu kümmern, sondern um die Leute hier zu empfangen und ihnen eine unvergessliche Woche möglich zu machen.

Wirklich motiviert davon ging die zweite Woche auch viel besser vorüber, zumal ich auch nicht mehr Washing Up, sondern Point 5 hatte. Ich fange wirklich an diese Arbeit zu mögen. Die Arbeit an sich ist nun wirklich nicht schwierig und das wirklich Wichtige als Verantwortlicher ist es, die Teenies zu motivieren. Und das kann wirklich Spaß machen. Ich entwickle echt eine Leidenschaft für Point 5!

Mit Point 5 verbunden waren dann auch meine Abende in der Blanket Barack, wo ich nach dem Abendgebet Decken an frierende Portugiesen ausgegeben habe.
Am Anfang der Woche dachte ich noch, dass dies sehr einsame Nächte zwischen den Decken werden würden, doch Taizé weiß doch immer wieder zu überraschen. Zwar war der Andrang für die wärmenden Wolldecken eher mäßig, dafür wussten Night Welcome und Co. zu unterhalten. Es war wirklich nie langweilig. Mal kamen Olivier und Pedro vorbei, mal war Silke mein Gesprächspartner mal hatte ich eine nette Unterhaltung mit ein paar Leuten, mit denen ich vor Wochen mal gearbeitet hatte und einen Abend kam mich sogar Mylène besuchen, die gerade eine Woche in Taizé zu Besuch war.

Dauerjob wie schon in den letzten Wochen war die Olindavorbereitung. Eine echt paradoxe Situation, denn um mich herum tobte das bunte Taizéleben mit den kleinen chaotischen Zwischeneinschüben und ich saß den ganzen Vormittag seelenruhig und meistens mutterseelenallein im N`Toumi Common Room und habe fleißig meine Kostüme genäht.
Fast schon eine Art Meditation.

Meine Beziehung mit Nähmaschine Greet entwickelte sich glatt zu einer Freundschaft, lernte ich doch mit der Zeit ihre Ecken und Kanten kennen und schätzen (vor allem das Wechseln der Unterspule brachte in der Hinsicht enorme Fortschritte...)
Fast schon wehmütig sah ich am letzten Tag meiner Nähtätigkeit dem Abschied von Greet entgegen, als die Gute doch glatt mitten bei der Arbeit einfach meinen Taizéanhänger am Armband verspeiste!
Na gut, jetzt wird der entweder für alle Zeit im Bauch von Greet verbleiben, oder Bruder Parfé wundert sich irgendwann über den Guten, wenn er mal wieder eine Blick auf die altersschwachen Gerätschaften wirft...

Nun gut, neben der Arbeit und den Leuten hier gab es ein echtes Highlight und Dauergesprächsthema zwischen mir und Nightguard Friedemann: die CD Aufnahmen!
Ja in der zweiten Karnevalswoche wurde hier eine neue CD aufgenommen und Friedemann der Glückliche durfte sogar mitsingen. Außer dessen Berichte und dem Schild an der Kirchentür haben wir dann aber davon nicht viel mitbekommen.

Das war dann auch schon alles was man von der Aufnahme so mitbekommen hat...

Auch eher enttäuschend war der Rosenmontag. Jakob und ich (ausgerechnet die Ostwestfalen...) hatten zwar vorzügliche Ideen, allerdings waren die Kölner Jungs überraschender Weise für nichts zu gebrauchen. So gab es weder einen Rosenmontagszug in Taizé (3 Kölner auf dem Cadole Pick Up fahren Kekse werfend den Hügel auf und ab) noch eine Polonaise ins Morgengebet. Sehr enttäuschend. Einziges Karnevalsindiz war das Alaaf Schild an Friedemanns Tür. Mit Konfetti natürlich :)

 

Nun ja, so sind wir also in der Fastenzeit angekommen und ausnahmsweise war das Abendgebet am Aschermittwoch auch sehr schön und ein perfekter Beginn.

Die Fastenzeit hier ist wie auch schon der Advent eine echt besondere Zeit. Die Gebete sind von den typischen Gesängen geprägt, was ein Musikerherz höher schlagen lässt. Wo wir doch jetzt so viele der Taizélieder nicht singen. Für uns Support Singer besonders schmerzlich ist der der Wegfall von Nummer 18 (Confitermini Domino)...
Zu Beginn der Fastenzeit hatten wir eine sehr gute Bibeleinführung bei Bruder Matthew, in der wir über die kommenden Wochen nachgedacht haben. Der Gedanke, der bei mir hängen geblieben ist, ist, dass die Fastenzeit nicht eine reine Zeit des Verzichtes sein soll, sondern eine intensive und freudige Vorbereitung auf die Auferstehung Christi.
Von diesem Gedanken ausgehend habe ich meine ganze Fastenzeit strukturiert. Hauptziel sollte es sein, mein persönliches Gebet zu intensivieren. Dafür habe ich mir jeden Tag 30 Minuten persönliche Stille vorgenommen und einmal die Woche einen Morgenspaziergang. Und natürlich arbeite ich weiterhin an meinen spirituellen Übungen nach Ignatius.

Das ganze tut mir echt gut. Ich merke wirklich, dass ich Fortschritte mache auch wenn es einer gewissen Disziplin bedarf. Vor allem bei den Morgenspaziergängen muss ich ehrlich zugeben, dass ich zweimal auch einen Abendspaziergang als Ersatz habe durch gehen lassen ;)

Trotz allem fällt es hier in Taizé viel leichter solche Vorsätze einzuhalten. Während meiner Woche zu Hause Anfang März habe ich das deutlich gemerkt. Hier erlerntes, lieb und wichtig gewonnenes ist oft schwer auch im „normalen“ Leben um zusetzen.

Nach einer sowohl schönen als auch schwierigen Woche zu Hause, war ich wirklich glücklich wieder zurück in Taizé zu sein. Vor allem wenn man so wunderbar von seiner „Taizéfamilie“ begrüßt wird. Und ich habe vor allem eines gelernt: ich muss jede Sekunde hier dankbar genießen. Die Zeit hier ist so einmalig und wertvoll, dass man jeden Moment einfach leben muss.
Ja seit ich wieder hier bin, merke ich erst richtig, wie viele Gründe zum glücklich sein ich hier habe. Und wenn man die anderen mit seiner guten Laune anstecken kann, ist das nahezu perfekt :)

 

Natürlich haben wir auch in Lamba einige gemeinsame Vorsätze für die Fastenzeit getroffen. Das ist echt schön, dass man immer wieder das Gemeinschaftsleben erfrischt.
Wir essen jetzt bei jedem Essen 10 bis 15 Minuten in Stille. Zwar essen wir ja sowieso jeden Freitag Mittags komplett in Stille, aber dieser stille Beginn hat seinen eigenen Zauber inne. Man kommt erstmal zur Ruhe und genießt die einfache Anwesenheit der anderen bevor man sich wieder der gemeinsamen Konversation hingibt, die erstaunlicherweise in den letzten Wochen viel lebhafter ausfällt als zuvor.

Außerdem gibt es jetzt „richtige“ Sharings bei uns. Ich war ja schon immer der Meinung, dass es kein „Sharing“ ist, wenn man eine Film guckt, aber jetzt sind die anderen Mädels auch mal darauf gekommen und so machen wir jetzt jeden Mittwoch einen gemütlichen Abend, bei dem wir uns immer über ein anderes Thema austauschen. Mal eher auf Ebene persönlicher Erfahrungen, mal in lebhafter theologisch-politischer Diskussion.

 

Überhaupt fällt unser Common Life im Moment ziemlich vielfältig aus. Es vergeht beinahe kein Tag, an dem wir nicht etwas zusammen unternommen haben. Definitiv ein Grund, warum ich hier sonst zu fast nichts anderem komme.

An ein paar Highlights sollt auch ihr zu Hause euch freuen.

Vor Aschermittwoch hatten wir einen sehr gemütlichen „Pancake-Tuesday“. Jess hatte den ganzen Vormittag Pfannkuchen gebacken, sodass das ganze El Abiodh danach roch und wir hatten ein monströses Mittagessen, was mit Simple Life nicht mehr viel zu tun hatte, aber wen kümmert das schon am „Fat Tuesday“?

Wo wir schon beim Essen sind: bei meinem Homevisit sind mir etwas meine westfälischen Wurzeln durchgegangen, was ein Dose voller leckerer westfälischer Pickert hervorbrachte. Und weil in Taizé alles nur zusammen geht, habe ich die Guten dann auch gleich mal geteilt. Mit Jakob (weil der auch aus OWL ist) und Friedemann (weil der die kennt) vor dem Morgengebet. Das ganze ist dann als das Pickertfrühstück in unsere Taizé-Anekdoten eingegangen. Das schöne am Pickert ist nämlich, dass man den süß und herzhaft essen kann. Da muss man sich gar nicht entscheiden!
Sehr gut für Mitglieder des Clubs „Der-Nicht-So-Entscheidungsfreudigen“, wie uns ;)

 

Dazu kommt eine gewisse „Reisefreude“.
Gut, der Tag in Genf beim Kongress der Ökumene, wo alle Permanents und ein paar Brüder waren, kann man schon noch als wahre Reise bezeichnen. Das ganze habe ich zwar wegen meines Homevisits verpasst, aber dieses gemeinsame Erlebnis hat richtig viel Schwung in die Gruppe der Permanents gebracht.

Unsere kleineren Ausflüge ins Umland waren aber nicht weniger schön.

Zum Beispiel der Tag mit den Mädels in Cluny. Angefangen beim gemeinsamen Picknick im Park über die Besichtigung der Abtei und dem Zusammensein im Café war es einfach ein herrlicher Tag und einer der letzten ruhigen Momente, in denen wir Permanents unter uns waren, bevor die Massen wieder Taizé bevölkern.
Kleines Highlight des Tages war auch der gemeinsame Rückweg nach Taizé, den wir zu Fuß gemeistert haben. Zwar waren das ganze 15 km über Stock und Stein, aber das ganze Unternehmen hat uns nur noch mehr zusammen gebracht.

Lamba Girls in Cluny

Beflügelt von diesem Tag, haben wir auch direkt unsere nächste Aktivität in Angriff genommen und sind gemeinsam an einem Morgen um 7 Uhr nach Cormatin gegangen und haben dort gemeinsam gefrühstückt. Klein aber fein eben. Solche Aktionen haben uns jetzt wirklich zu einer wunderbaren Gruppe geformt und da ist es kein Wunder, dass auch ganz spontan etliche Dinge im Common Room und rundherum passieren.

Unvergessen bleiben der kleine Ausflug zum Fluss und unsere St Patrick's Day Party!
Die ersten wirklich warmen Frühlingstage im März wurden gleich von uns genutzt, um die Füße im Fluss abzukühlen und sogar am „Strand“ ein kleines Standkloster zu bauen!
Und unsere St Patrick's Day Party am 17. März war einfach grün und verrückt. Mit irischer Musik und Tanz. Wir haben uns sogar in den traditionellen Limerick versucht. Das sind kurze Gedichte mit eher profanem Inhalt. Allerdings hohem Spaßfaktor!

Eines steht nach diesem Abend fest: Wir lieben Irland!

Definitiv der beste St Patrick's Day, den ich je hatte.

 

Nach den so kalten Wochen im Februar ist jetzt der Frühling mit aller Macht in Taizé eingezogen. Von -12°C auf 26°C in drei Wochen und die Natur explodiert förmlich. Allen Pflanzen voran unser wunderbarer Kirschbaum im Lambagarten.

Und da es mit der Natur auch auf dem Hügel immer lebhafter wird, sind auch wir Permanents voller Tatendrang und frischer Energie!

So viel Energie, dass es sogar noch zu ausgiebigen Spaziergängen in der Nacht reicht, was wirklich beautiful ist, denn bei sternenklarem Himmel und angenehmen Temperaturen erzählt es sich gleich viel leichter. Und wenn man dann noch das Glück einer Sternschnuppe hat, was gibt es Schöneres?

 

Aber der Frühling bringt noch mehr mit sich.
N'Toumi ist wieder offen und wird bereits von mehr als 20 wundervollen Mädchen bevölkert. Es ist echt schön zu sehen, wie die neue Gruppe ihr Gemeinschaftsleben aufbaut. Was trotzt neuer Mädchen gleich bleibt und was unterschiedlich ist. Und natürlich ist es auch irgendwie wunderbar jetzt einer der „alten Hasen“ zu sein, der mit Rat und Tat zur Seite steht und die Neuankömmlinge mit wertvollen Tipps versorgen kann.

Die letzten ruhigen Wochen vor Ostern wurden kräftig genutzt nochmal zu reisen. Fast die Hälfte der Permanents war in den vergangenen Woche irgendwo in Europa unterwegs. Von Finnland bis Italien und von Polen bis Paris. Auch ich hatte das Glück mal wieder auf „Mission“ zu sein. Zwar nur einen Tag, aber dafür war unser kleiner Trip nach St Bonnet du Chartau umso reicher an neuen Erfahrungen. Wir haben nämlich dieses Mal nicht junge Leute getroffen, sondern wurden von einem Priester eingeladen, um älteren Menschen von unseren Erfahrungen in Taizé zu berichten.

Das war eine so wunderbare neue Erfahrung. Mit Menschen, die nicht nach Taizé kommen können, seine eigenen Erfahrungen zu teilen, ihnen etwas von Taizé geben.
Und mir ist mal wieder klar geworden, wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir die Möglichkeit haben ein Jahr in Taizé verbringen zu können und wir wunderbar es ist, diese Erfahrung mit anderen zu teilen.

  28 Stunden in der Welt da draussen :)

Was gibt es von der Arbeit zu berichten?
Im Cadole haben wir fleißig alle Zelte für Ostern aufgebaut. Im Courrier sind wir trotzt 5 fleißiger Mädels fast in Nachmeldungen, Anmeldungen und Erinnerungen für die Osterwochen ertrunken. Für Olinda wurde geputzt, geprobt und gebastelt.
Olinda ist echt zu meinem kleinen Projekt geworden. Die Proben für das Theater waren mehr als lustig und überhaupt ist jetzt alles bereit für die Familien. Und ich als Main Coordination für die Osterwoche freue mich jeden Tag über die Arbeit. Jetzt zeigt sich endlich, ob das Programm aufgeht und ob sich die monatelange Arbeit gelohnt hat. Aber bis jetzt läuft alles wir geschmiert. Es ist anstrengend aber macht wie erwartet einen großen Spaß!

Vor allem das Theater am Nachmittag ist super lustig und die Eltern und Kinder haben große Freude daran und machen fleißig mit!

Wie gesagt, alles wurde für die Osterwochen vorbereitet. Ein großer und im ersten Moment aufregender Job war in den letzten drei Wochen das Präparieren der NEUEN Songbücher. Genau 7400 Stück haben wir bekommen und alle mussten mit Klebeband verstärkt werden.

Das war im ersten Moment recht spannend, da man herausfinden konnte, dass „Sanctum Nomen Domini“ noch immer Nummer 56 ist, nach dem 100sten Buch war die Spannung dann aber auch verflogen. Aber mit Hilfe von den jungen Leuten hier, haben wir es pünktlich hin bekommen alle Bücher für Ostern zu präparieren.

  Ein TRaum in blau!

Apropos präparieren für Ostern: seit Februar sind wir nun schon dabei den Brüdern bei den Bibeleinführungen für dieses Jahr zu helfen. Dabei ging es vor allem darum, vertiefende Fragen für die Gesprächsgruppen zu finden. Die Arbeit war wirklich sehr cool, wir waren eine sehr gute Gruppe und haben wirklich tolle Sachen für die 15 und 16jährigen gefunden. Ganz nebenbei hatten wir großartige Diskussionen über die Bibeltexte, die wir bearbeitet haben und eine Menge zu Lachen (ich sag nur: What would John say? Und Invent new Solos for „Nothing can ever“ :D)

Ja und ich muss sagen, es ist echt schön und es macht uns auch sehr stolz nun auf den Zetteln der Bibeleinführungen einige unserer Ideen und Fragen wieder zu finden :)

 

Bei unseren Fahrrädern gibt es große Fortschritte zu vermelden. Dank neuem Materials sind jetzt fast alle unserer Vehikel einsatzbereit. Ich habe in das Projekt auch jede Menge Zeit investiert, die letzten zwei Wochen fast jede freie Minute (was bei dem schönen Wetter auch nicht so schwer fiel).

Und ich habe in Cluny den wohl verrücktesten Fahrradladen der Welt kennen gelernt. Eigentlich würde ich es nicht einmal wirklich einen Laden nennen, denn das Objekt ist eher eine große Lagerhalle voll gestopft mit nahezu allem, was die Spezies Mensch so hervorgebracht hat. Vom Rasenmäher bis zum Wanderpokal.
Und in diesem unvergleichlichen Chaos aus Gartengeräten, Ansichtskarten und Puppenhäusern konnte man auch diverses für Zweiräder finden. Ob es dabei ein gewisses System gibt, ist mir bis heute nicht klar. Ich meine, aus welchen ersichtlichen Grund sollte man diese spezielle Größe Fahrradreifen zwischen Rasenmäherkorb und Dreschmaschine eingeklemmt lagern?

Verstehe einer die Franzosen!
Naja, nach 1,5 wöchiger Wartezeit konnte ich dann stolz die Bestellung für die Communauté abholen und endlich meine Räder reparieren.

 

Mein persönliches Highlight der letzten Woche war der Sonntag, 1. April 2012.
Wir Mädels haben großartige Ideen in die Tat umgesetzt. Nichts konnte uns stoppen.

Silke und ich sind schon um 5 Uhr aufgestanden, um die ganzen von uns vorbereiteten Schilder an zubringen. Heute gab es „Found & Lost“ „Useless Objects“ und eine ziemlich außergewöhnliche Essensausgabe...

  Na da feut man sich doch aufs Fruehstueck!

Wahres Meisterwerk waren unsere Workshops.

  :D

Und über ein ganz besonderes Mittagessen durften sich die Jungs auch noch freuen. Denn in ihrer Box mit dem Essen fanden sie einen Haufen Bibeln anstatt des Essens, denn der Mensch lebt nicht von Brot allein!
Selbst Bruder Benoit musste anerkennen: „Oh, that's a good one...“

Selten hatten wir an einem Tag so viel Spaß auf einmal!

Und leider müssen wir auch vermelden, dass die Jungs mal wieder derbe langweilig waren, haben sie doch nicht mal einen kleinen Scherz zustande bekommen...

 

Jetzt bin ich mitten im Osterwahnsinn. 4000 Leute und keine Minute Freizeit.
Ich wünsche euch frohe Ostern und melde mich demnächst wieder!

Und ich freue mich natürlich immer über Neuigkeiten aus der Heimat :)

Samstag, 28.04.2012

Surrexit Christus Alleluia!

Ja, es ist Ostern in Taizé und traditionell ist in der Kar- und Osterwoche der Hügel explodiert. Zwei Wochen und je 4000 Leute, das war ein würdiger Vorgeschmack auf den Sommer!

 

Natürlich gibt es aus diesen geschäftigen Wochen eine Menge zu berichten. Von einer wundervollen Liturgie über viele bekannte Gesichter bis hin zu neuen und großen Aufgaben ist wirklich alles dabei!

 

Nun, die Karwoche startete gleich mal mit großen Besucherzahlen und einer so aufregenden und abwechslungsreichen Arbeit, dass mir kaum Zeit blieb mich auch ab und an mit meiner Familie zu treffen geschweige denn einige der alt bekannten Gesichter zahlreicher Expermanents zu sichten.

 

Vor allem in dieser total verrückten Karwoche habe ich die wunderbaren Gebete sehr genossen. Die besonderen Gesänge und die etwas andere Liturgie der Karwoche war einfach wunderbar.

Und am Samstagabend durften wir dann noch ein ganz besonderes Ereignis bewundern. Bruder Jasper hat sein Lebensengagement abgelegt, was einfach nur wunderschön und sehr beeindruckend war. Der ganze Moment war von so tiefer Freude erfüllt, dass sich wirklich jeder hat davon anstecken lassen. Wie bei einer Hochzeit nur eben ganz anders :)

 

Das Support Singing in der Karwoche nahm fast schon unmenschliche Ausmaße an. Von Gründonnerstag bis Karsamstag hatten wir Abends Singschichten bis 4 Uhr in der Nacht. Neben unseren „normalen“ Schichten natürlich.

Wobei das auch sehr schön uns beeindruckend war. Am Karfreitag habe ich gleich mal von Mitternacht bis 4.30 Uhr gesungen, da die anderen Mädels etwas stimmlos waren. Vor allem die letzten Stunden waren wunderschön. Es waren nur noch ein paar Leute in der Kirche und Signe hat ein Wenig mit ihrer Flöte gespielt, während ich ein paar Solos ausprobiert habe und die Jungs aus Pertite Morada haben sich stundenweise mit der Nachtwache am Kreuz abgewechselt, sodass dies eine wirklich komplette Nacht des Gebets um das Kreuz war.

In der Osterwoche waren dann fast alle Mädels heiser, sodass ich fleißig Extraschichten beim Singen geschoben habe.

An einem Abend, an dem ich eigentlich keine Lust hatte schon wieder zu singen, hatte ich ein so wunderbares Erlebnis, was mir wieder klar gemacht hat, warum ich hier bin.

Um kurz vor 23 Uhr wollte ich gerade Rauschschmeißer Nummer 15 anstimmen, als Alex aus meinem Küchenteam zu mir kam, und mich gefragt hat, ob ich nicht noch die Nummer 139 für die Leute anstimmen könnte. Habe ich natürlich gemacht.

Danach bin ich dann gegangen und als ich Richtung Tür ging, drückte mir ein Junge einen kleinen Zettel in die Hand. Einzige Aufschrift: Danke

Da hätte ich fast geweint, denn da ist mir wieder klar geworden, wofür ich eigentlich stundenlang Abends in der Kirche sitze und Lieder anstimme. Nicht weil irgendwelche Brüder noch im Gespräch sind oder weil es noch vor 23 Uhr ist, sondern weil ich das für die Menschen mache, die hier zu Gast sind. Damit sie eine unvergessliche und wunderbare Woche haben.

Und dafür singe ich gerne 10 Minuten länger.

 

Auf der Suche nach etwas Erholung beschloss ich meinen freien Nachmittag am Samstag in einen sehr langen Spaziergang zu investieren. Gleich mal den Ratschlag aus dem Kontaktmeeting in die Tat umsetzten und Gottes Schöpfung mit allen Sinnen genießen.

Voller Abenteuerlust brach ich auf und nahm einfach irgendeinen unbekannten Weg, der mich Richtung Norden führte, an Massily vorbei ging und sich dann in der französischen Landschaft verlor. Nach ca. 1,5 Stunden war ich irgendwo Orientierungslos in der Botanik bei extremen Regenwetter. Und als ich schon aufgeben wollte und einfach den Weg, den ich gekommen war, zurück nehmen wollte, spuckte mich der matschige Pfad, auf dem ich wanderte, genau an Mariekes Lieblingsweg, den sie mir gezeigt hatte, wieder aus. Dieser wunderschöne kleine Steinpfad ist zufällig auch Teil des Jakobsweges und so ging ich erfüllt von schönen Erinnerungen an meine Zeit in Spanien und mit Marieke im Dauerregen mit leichtem Hagel bis nach Flagy, wo ich dann den Weg zurück nach Taizé nahm. Währenddessen war die Sonne wieder heraus gekommen und über Taizé erstrahlte ein wunderschöner bunter Regenbogen.

Und da erinnerte ich mich wieder an das, was Schwester Muriel mir gesagt hatte. Die Schöpfung einfach mit allen Sinnen wahrnehmen.

Den Regen oder die Sonne auf dem Gesicht spüren, die Vögel zwitschern hören oder die Regentropfen auf der Kapuze, die nasse Wiese riechen, die sanfte Hügellandschaft sehen und das Leben schmecken.

 

Those who come to you will not hunger

 

Ja endlich habe ich einen neuen Job! Nach Monaten im Courrier wurde das ja auch mal Zeit und dann hab ich auch noch das Coolste bekommen, was man kriegen kann: Big Kitchen!

Also kochen für alle!

In der Osterwoche habe ich von Anita, einer Expermanente, gelernt. Das war ziemlich aufregend und beeindruckend, denn jeden Tag haben wir mehr als 3500 Mahlzeiten gekocht. Das waren in der gesamten Woche mehr als 16000 Essen!

Bei solchen Massen ist eben auch das Kochen eher extrem. Unser kleinster Topf ist für 250 Leute der größte für 700.
Hier wird nicht mit einer Brise oder einem Teelöffel gewürzt, da nimmt man sackweise Zwiebeln oder doch gleich eine ganze Packung Knoblauch. Pro Topf natürlich :D

Meine erste selbst gekochte Pasta am Samstagabend hat dann aber allen gut geschmeckt und Anita war auch zufrieden mit mir :)

Nach zwei Wochen lernen, bin ich diese Woche das erste Mal allein in der Küche und am Montag, meinem ersten Tag ist auch gleich mal alles schief gegangen.

Nur das halbe Team da, der Ofen ging nicht und wir hatten nicht genug Zutaten...

Das Resultat: etwas flüssiger Kartoffelbrei und unknusprige Würstchen!

Kann ja nur besser werden.

Aber das Wichtigste ist ja auch nicht das es schmeckt, sondern, dass jeder satt ist. Egal wie!

Weitere Geschichten von Theresa in der zweit größten Küche Frankreichs folgen.
Der Wahnsinn hat einen Namen: Big Kitchen!

 

Aber auch meine anderen Arbeiten der letzten Wochen haben mich zum Einen mit sehr viel Freude erfüllt, zum Anderen viele neue Verantwortungen mit sich gebracht.
Während der Karwoche war ich erwartungsgemäß Hauptkoordination in Olinda. Also verantwortlich für alles, was mit dem Programm für die Kinder zu tun hatte und Ansprechpartner für alle Probleme.

Die Probleme hielten sich zum Glück in Grenzen und so konnte ich es hauptsächlich genießen das Ergebnis monatelanger Arbeit zu sehen. Und erstaunlicher Weise kam das ganze Programm mit dem Theater am Nachmittag und der „Animation“ am Morgen super gut bei den Familien an und wir bekamen sehr viel Lob für das neue Olindaprogramm.
Ein paar Sachen sind mir während der Woche in Olinda klar geworden.

  1. Man ist nie allein hier. Selbst wenn man einen Job außerhalb, weit weg vom normalen Taizéchaos hat, es gibt immer jemanden, der den Weg bis nach Ameugny findet und plötzlich in meinem kleinen Materialparadies (Room 5) in der Tür stand und sich nach meinem Befinden erkundigt hat.

  2. Es ist wunderbar mit seinen einfachen kleinen Talenten anderen eine große Freude zu machen. Man muss es nur zu lassen man selbst zu sein und schon wirst du irgendjemandem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

  3. Egal wann ich in den nächsten 2 Jahren an diesen Ort zurück kehren werde, ein kleiner Teil von mir wird immer noch hier sein; im Olindaprogramm. Das ist doch eine wirklich schöne Vorstellung :)

Nicht nur Olinda und die Big Kitchen hatten in den letzten Wochen neue Verantwortungen mit sich gebracht. Auch im Courrier habe ich jetzt die Koordination gelernt und jetzt wo die großen Wochen wieder los gehen auch Welcome-Coordination.

Viel Neues und Spannendes also :)

 

Manchmal könnte man hier auf dem Hügel ja glatt den Eindruck gewinnen, nicht mehr ganz in der Welt zu leben. Tage gehen ein und aus, es wird gebetet, gearbeitet und gegessen wie am Tag davor. Ein Dorf in einer Blase!

Aber zur Wahl in Frankreich war sogar Taizé wieder ganz zurück im politischen Alltag. Im Rathaus (ja, trotz beschaulicher 175 Einwohner gibt das das hier) wurde das Wahllokal eingerichtet, Bruder Benoit war sogar Wahlhelfer und das ganze Dorf, inklusive Communauté, trat an die Wahlurne.

Und auch die Gespräche am Tisch drehten sich wenigstens für ein paar Tage um die Politik. Da wurde munter über die Kandidaten diskutiert und die politischen Situationen in unseren Heimatländern erörtert.

 

Seit Ostern hat sich hier aber auch eine Menge verändert, vor Allem in Lamba. Tatiana und Marieke sind abgefahren, was eine große Lücke in unserem Gemeinschaftsleben gerissen hat.

Aber dafür haben wir mit Julia und Katie neue Mädels begrüßen dürfen.

So langsam wird mir immer mehr bewusst, dass sich das Leben hier stetig verändert. Man kann schöne Momente und Zeiten nicht festhalten, sondern sie nur genießen und in sein Herz lassen.

Und neue Situationen bringen meistens ganz unerwartet wunderbare Erlebnisse mit sich.

 

An Sonsten sind wir hier in den letzten Wochen im Regenwetter ertrunken und haben dem Stürmen auf dem Hügel getrotzt. zum Glück ist das Wetter seit gestern wieder etwas besser, vor allem wärmer, sodass man schon fast von Sommer reden kann :)

Jetzt freue ich mich darauf nächste Woche 10 Tage in Stille zu sein und melde mich danach mal wieder :)

Donnerstag, 07.06.2012

Spritus autem vivificat

Nach der Stille wieder seit 4 Wochen back to business.

Ich muss sagen, eine Woche Stille bzw. 10 Tage sind wirklich wunderbar hier. Schönes Wetter und eine wirklich nette Gruppe von 12 Mädchen in unserem Stillehaus Cerisier haben dem Ganzen einen hervorragenden Rahmen gegeben und so konnte ich meine stille Zeit in Taizé voll und ganz genießen.

Da das Wetter geradezu dazu einlud, bin ich fast jeden Tag in der Umgebung unterwegs gewesen. Ich habe hier eine richtige Liebe zum Wandern entwickelt. Zeit in der Natur verbringen und ein anderes Tempo annehmen öffnet dich für die vielen kleinen Wunder, die dich umgeben. Und nach Stunden unter freiem Himmel, in denen du vielleicht nicht besonders weit gekommen bist, aber du siehst die Welt, die dich umgibt, auf einmal mit anderen Augen. Die auf blühende Natur lehrt dir auf einmal nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich still zu werden. Dir selbst Raum zu geben und Gott Platz in dir zu machen.

Es klingt seltsam, aber es scheint, bevor du Gott findest, findest du dich erst einmal selbst.

Und so war die Stille ein sich selbst Suchen und Finden. Eine Zeit der kleinen Lichtmomente und Wunder des Alltags. Des Durchquerens von Höhen und Tiefen, des Innehaltens und Weitergehens.

Eine schöne Zeit aus Momenten, die man im Herz behält und die einem so viel Freude und Energie für die Aufgaben danach geben.

 

Apropos Aufgaben danach. Das Verrückte nach der Stille ist ja, dass man sofort zurück in den Taizéalltag geworfen wird und das auch noch am verrücktesten Tag der Woche, dem Sonntag. Der Empfangstag. Der sieht dann ungefähr so aus:

Samstag, 19.30: Treffen mit Schwester Lorella für den Adults Welcome. 106 Adults. Heißt ein Alleingang morgen ohne helfende Schwestern. Viele Deutsche heißt viele Diskussionen. Ein paar Spanier und Italiener, heißt viele Kommunikationsschwierigkeiten.

20.00: Vor dem Abendgebet bereite ich noch schnell unsere Welcomebox im Casa vor. Regenbogen kommt erst nach dem Abendgebet an. Super, Extra Line für das Big Kitchen Team!

21.15: Die Big Kitchen Familie sprintet aus dem Gebet. Distributiontables, Teller, Käse und Kekse. Alles für 200 Leute aufbauen und dann warten.

21.35: Vince teilt jetzt neben dem Käse auch High 5 aus. Die Neuankömmlinge fühlen sich sicher herzlichst begrüßt :D

22.45: Casa gibt das Ok die Essensausgabe zu schließen. Wir räumen alles auf und lassen den Tag vor Fridge 6 ausklingen.

23.10: Casa schickt noch eine Gruppe von 40 Personen zum Essen. Nochmal alles von Vorne. Ich liebe meinen Job...

23.40: Wir schließen die Küche. Bis morgen!

 

8.30: Hurra, mein Wecker klingelt. Immerhin eine Stunde länger schlafen als sonst! Noch fühlt sich alles wie eine Art Wochenende an und mit einem gemeinsamen Frühstück mit den Lamba Ladies verspricht der Tag vorerst ein guter zu werden.

09.45: Der finale Check in der Küche verläuft erfolgreich. Alles da in ausreichender Menge.

11.05: Die Eucharistie ist vorbei und ich stürme aus der Kirche ab in die Küche. Enttäuscht muss ich feststellen, dass Topf 1 bis 3 immer noch nicht repariert sind und nehme den Nahkampf mit den beiden „Chauf direkt“ auf.

11.25: Mein Team trudelt endlich ein. Zwei riesige muskulöse Jungs stehen im Changing Room und kämpfen mit unseren „Ninja Schürzen“. Ich schicke die beiden vorerst zum Schuhe reinigen und bereite währenddessen alles für die Küche vor.

12.15: Mein Team stellt sich als echter Reinfall heraus. Die sind schon beim ersten Topf Kartoffelbrei völlig fertig. Da liegt es dann mal wieder an der Küchenchefin den Schneebesen in die Hand zu nehmen und den Jungs zu zeigen wer hier zum starken Geschlecht gehört.

12.35: Die Distribution steht in der Tür und zieht glücklich mit 4 Töpfen Kartoffelbrei ab.

13.45: Alle Leute haben etwas zu Essen, die Küche ist sauber und ich sprinte nach Lamba um mich umzuziehen.

14.20: Ich packe die Sachen für den Adultswelcome und wandere zu Halle 10. Dann zum Casa und hole meine Box, das Telefon und das Welcome-Schild. Tische und Bänke in Halle 10 um räumen, Telefon anschließen das First Welcome Team begrüßen. Manche Dinge gehen nach Wochen schon von allein.

15.15: Wir öffnen den Welcome.

15.25: Der erste Problemfall. Kein Bruder in Reichweite, Casa nicht zu erreichen. Ich versuche die aufgebrachte Frau zu beruhigen und gebe ihr erstmal einen Tee. 5 Minuten Zeitfenster, um einen der Brüder zu finden.

15.35: Mit der wahnsinnig hilfreichen Anweisung „Das kannst du schon alleine regeln“ wieder zurück in Halle 10 und bemüht der guten Frau zu erklären, dass es ohne Anmeldung nicht so einfach möglich ist einen Raum im El Abiodh zu bekommen.

16.00: Der Welcome läuft soweit gut, dafür wollen jetzt einige von den Petite Jungs, die heute natürliche keine Arbeit im Welcome haben (wie jeden Sonntag...), unterhalten werden. Ich schicke sie los, um uns Tee und Honigbrot zu holen.

16.15: Zitronentee und Honigbrot. So fühlt sich ein Sonntag in Taizé an!

16.20: Der nächste Problemfall. Für die nächste halbe Stunde renne ich zwischen Casa und Halle 10 hin und her und versuche verzweifelt Schwester Tessa zu erreichen. Die Leute werden ungeduldig und zunehmend unfreundlicher. Ich versuche zu erklären, dass es eben nicht so einfach ist spontan die Unterkunft zu wechseln. Ich schlage ihnen vor einen Spaziergang zu machen und um 17 Uhr wieder zu kommen.

Zwischen dem Ausgeben von Unterkünften und Öffnen von Baracken hänge ich ununterbrochen am Telefon bis ich endlich die nötigen Infos beisammen habe und meinen Problemfall Nummer 2 lösen kann.

17.10: Ich versuche verzweifelt einige Erwachsene auf unserer Empfangsliste zu finden. Kein Erfolg. Ich sprinte ins Casa und logge mich bei „TaizéConnect“ ein. Taizéconnect- Quell allen Seins, wenn es um den Empfang geht!

Ich ernte einige neidische Blicke von den Casa Jungs, als ich mit meinem wunderbaren Courrier Account nach Teilnehmern und Anmeldungen suche, den genauen Anmeldeverlauf studieren kann, die kompletten Anmeldedetails drucke und mich dann wieder auslogge :)

17.20: Die Diskussion mit den Erwachsenen und den Gruppenleitern geht in die zweite Runde. Ich liebe deutsche Gruppen!

Das einzig gute an der Situation ist, dass ich durch meine Courrierarbeit ja ganz genau weiß, was wir denen geschrieben hatten, welche Probleme es schon gab etc. und man dann geschickt genau diese Infos nutzen kann. Trotz allem, die Diskussion zieht sich.

18.00: Bruder Xarvier erkundigt sich nach unserem Befinden klaut aber in erster Linie unsere Kekse...

Ich fange an zu zählen wie viele Erwachsene wir noch erwarten, komme aber nie weit, weil ich ständig Unterkünfte verteilen muss.

18.45: Wir ordern unser Essen und ich komme endlich dazu unsere Empfangsliste zu aktualisieren. Noch 43 Erwachsene sind zu erwarten.

19.05: Unser Catering Service bring unser Essen. Kalter Kartoffelsalat. Ja, so fühlt sich ein wahrer Sonntag an!

19.45: Bruder Jean Patrick beschließt, dass wir nach dem Abendgebet nochmal den Empfang aufmachen müssen. Quelle Joie!

20.05: Endlich Ablöse. Ich renne hinüber zur Big Kitchen und treffe mein Team für die nächste Woche. Nette Jungs. Ich zeige und erkläre ihnen alles in der Küche. Info an das Big Kitchen Team: Extra Line nach dem Abendgebet, dann zurück zu Halle 10. Wir schließen beim Geläut der Glocken den Empfang und gehen ins Abendgebet.

21.15: Wieder werden Teller, Löffel, Kekse, Äpfel etc. zur Extra Line aufgetragen. Wir suchen nach ein paar Freiwillig für die Ausgabe, was nach dem Abendgebet nicht wirklich erfolgreich ist.

Im Oktupusstil geben wir mit 4 Leuten Geschirr und Essen an alle Neuankömmlinge aus.

Dabei immer freundlich jeden in Taizé willkommen heißen und lächeln...

22.55: Casa gibt grünes Licht und wir schließen die Extraline.

23.15: Ich helfe dabei Halle 10 zu schließen und alles zum Casa zu bringen. Einer von uns muss bis zum bitteren Ende im Casa verweilen, um die Adults zu begrüßen.

23.25: Ich begrüße eine Frau aus den Niederlanden. Immerhin war das herumstehen im Casa nicht völlig sinnlos.

23.40: Casa schließt. Mein Arbeitstag ist zu Ende. Sonntag in Taizé- ich liebe es!

 

Seitenlang könnte ich euch aus der Big Kitchen berichten. Seit dieser Woche ist es einfach nur noch verrückt. Die El Abiodh Küche wurde für ein paar Umbauarbeiten geschlossen und so müssen wir jetzt für alle kochen. Zwischen kaum überblickbaren Kistenbergen für alle möglichen Gruppen wuselt dann noch Veronique mit dem Diätessen herum. Mein größtes Problem dabei ist, dass ich in der BIG Kitchen nicht wirklich für kleine Gruppen portionieren kann. Wir haben einfach keine Behälter für vegetarisches Essen für 2 Personen. Das fängt erst bei min 10 Personen an...

Aber nach dem 4. Tag im Küchenchaos läuft es stetig besser.

Zum Glück sind diese Woche wenigstens keine anderen kleinen Katastrophen zu beklagen. Höhepunkte diesbezüglich waren in den letzten Wochen der Feueralarm, 3 kaputte Töpfe und ein abwesender Ferenc.

Besonders lustig ist es natürlich, wenn dein Topf mit dem Essen für 500 Leute den Geist aufgibt. Alles aus dem Topf heraus zu schöpfen und in einen anderen zu transferieren ist da dann nur das kleinere Übel. Während alle anderen andächtig im Mittagsgebet saßen rührte ich die Linsen, füllte allein die Boxen und schleppte alles zur Ausgabe.

Bei der ganzen Energie, die du in der Küche lässt ist es echt schön auch mal eine Rückmeldung zu bekommen. Und diese Woche, da viele, die wissen, wer kocht, dein Essen bekommen, bekommen wir auch viel Lob für unsere „Kochkünste“. Es ist schön zu hören, dass dein Reis perfekt war und der Couscous super ab geschmeckt. Und dann macht es dich noch stolzer, wenn du weißt, dass sich 1000 Leute daran erfreuen konnten :)

 

Marta hat die derzeitige Situation hier in Taizé letztens auf den Punkt gebracht.

Es ist so, als wenn in der großen Pfingstwoche der Wecker geklingelt hat und wir die Snoozetaste gedrückt haben. Für zwei Wochen, bis wir dann für die großen Sommerwochen endgültig aufwachen müssen.

Alle versuchen irgendwie die kleinen ruhigen Momente fest zuhalten, die Akkus auf zu laden und nochmal einen Hauch von Zeit für sich selbst zu genießen.

Freizeit, Zeit in Lamba und Zeit mit lieb gewonnenen Menschen wird immer wertvoller. Vor allem mit dem Bewusstsein, dass du deine verbleibenden Wochen an beiden Händen abzählen kannst.

Sonntag, 15.07.2012

Nada te turbe

Die wenige verbleibende Zeit fliegt dahin, Abreisedaten rücken immer näher und so langsam stellt sich im Anbetracht der wenigen Tage, die mir noch auf dem Hügel bleiben, Panik ein. So vieles will man doch noch machen und gleichzeitig jede Minute voll auskosten.

 

Obwohl es hier mit jeder Woche immer voller und demnach auch stressiger wird, findet man doch noch erstaunlich viele Momente für sich und die Menschen, die du hier in dein Herz geschlossen hast. Und das ist so wichtig, denn viele, mit denen du hier monatelang gelebt, gelacht und gebetet hast, kehren Taizé nun den Rücken zu und beginnen einen neuen Lebensabschnitt weit weg von hier.

 

Im Anbetracht der prekären Lage, sind kleine Momente im Alltag zwischen Arbeit, Essen und Gebeten immer wichtiger.

Wir Mädels in Lamba achten immer mehr darauf, ein frisches Common Life zu pflegen. Die Jungs sind da etwas träge, aber wir machen alle paar Tage etwas für uns. Mit den 11 verbleibenden unserer kleinen liebenswerten Wohngemeinschaft :)

Ein Höhepunkt diesbezüglich war sicherlich unser Ausflug nach Blanot um dort die Grotten zu besichtigen. Einmal gemeinsam dem Taizéalltag entfliehen und gemeinsam etwas Abwechslung genießen. Dank Sr Sonilas hervorragenden Organisation konnten wir an einem sonnigen Sonntagnachmittag aufbrechen und so sogar den Empfangstag umgehen (Hurra, kein Adults Welcome!)

Die Grotten sind echt beeindruckend. An vielen Stellen auch für die Besucher naturbelassen und so führte uns die Besichtigugstour durch enge unterirdische Schluchten, schmale Gänge und unebene Höhlen. Aber trotz einiger angestoßener Köpfe waren wir alle begeistert von der Schönheit dieser unterirdischen Welt aus ausgewaschener Tonerde; Stalagmiten und Stalagtiten.

ein sonntagsausflug nach blanot :)

Und danach konnten wir ein kühles Getränk in der Sonne genießen. Was für ein wunderbarer Sonntag!

Es muss aber nicht immer ein groß geplanter Ausflug sein. Manchmal ist es genauso schön mit einem geteilten Stück Schweizer Käse um Mitternacht im Common Room zu sitzen und das Leben in Fülle zu genießen.

Lamba wird immer mehr zum wertvollsten Ort auf dem Hügel. Die Gemeinschaft von uns ist so wertvoll. Sie gibt jeder den Halt und die Freiheit, die sie braucht. Und trotzdem fühlt sich jede dafür verantwortlich das Zusammenleben so gut wie möglich zu unterstützen. Was soll man sagen? Wer wünscht sich nicht Teil davon zu sein?

 

Vor allem jetzt, wo es auf dem Hügel eigentlich nur viel Arbeit und extremes Wetter gibt, ist da Lamba einfach ein kleiner Rückzugsort, wo du in deiner spärlichen Freizeit auftanken kannst.

Ja man kann es nicht mehr abstreiten, der Sommer ist in Taizé angekommen. Tausende Leute aus allen Teilen der Welt bevölkern in diesen Tagen dieses Fleckchen Erde. Das Schöne daran ist, dass man wieder viel internationale Luft schnuppern kann, in abwechslungsreichen Workshops wahlweise mit den Ureinwohnern Amerikas Traumfänger basteln oder mit den Latinos zu heißen Rhythmen tanzen kann. N`Toumi und Tilleul sind voll mit internationalen Gästen, was nicht immer einfach im Zusammenleben aber immer doch hoch interessant ist.

Dieses muntere Kommen und Gehen hat auch zur Folge, dass man immer öfter Taizéautos nach Lyon zum Flughafen fahren sieht. Wer im Besitz eines Führerscheines ist, ist in diesen Tagen eine gefragte Person und auch ich habe schon Smitha aus Indien aus Lyon abgeholt. Aber durch meine anderen Jobs (Courrier und Big Kitchen) bin ich doch öfter hier vor Ort gefragt als auf den Straßen Burgunds.

Ja, wo wir schon dabei sind, der Courrier ist einfach nur verrückt. Zu viele Anmeldungen; Mails und Anrufe am Tag, um nur annähernd einen schmalen Landstrich am Horizont erkennen zu können. Das ist einfach nur noch verrückt. Du fängst an die neuen Anmeldungen zu bearbeiten. Stand am Anfang der Stunde: 96 Anmeldungen. Stand nach einer Stunde Arbeit: 86 Anmeldungen. Und das, obwohl du ca. 50 Anmeldungen bearbeitet hast. Irgendwas läuft da doch falsch....

Einziges Highlight der letzten Wochen war da das Unternehmen „automatische Ansage“.

Ja, die Idee war, dass in der Zeit, in der unsere Telefonleitungen geschlossen sind die Leute in ihrer Muttersprache informiert werden und nicht mit dieser automatischen französischen Ansage abgespeist werden.

Also kam einen Vormittag Bruder Francesco samt Aufnahmegerät in den Courrier und wir durften im Printingroom fein unseren Text aufsagen. Und ja, wenn ihr jetzt mal in Taizé anruft, wenn die Leitung nicht auf ist, dann könnt ihr mein Stimmchen hören, wie ich euch mitteile, dass zur Zeit leider keiner erreichbar ist. Und wie ich Taizé kenne, wird das dann wohl noch die nächsten 10 Jahre so bleiben. Wieder etwas, was von mir noch einige Zeit an diesem Ort verweilen wird :)

 

Aufregender als der Courrier war allerdings die Big Kitchen in den letzten Wochen. Nachdem wir die 2 Wochen ohne die El Abiodh Küche überlebt hatten, stand schon das nächste große Küchenevent an. Die Hygieneinspektion (wuhhhh)

Ja da sind alle, die in der Küche arbeiten tagelang ausgeflippt. Alle Sicherheits- und Hygieneregeln wurden doppelt eingehalten und alle waren deshalb irgendwie ganz aus dem Häuschen.

Trotzdem musste ja auch gekocht werden und so hab ich es eher dabei belassen den Job wirklich gut zu machen. Gutes Kochen und gutes Putzen gehört da eben zusammen.

Die beiden Inspektorinnen kamen dann auch in meiner Schicht und ich dachte erst ich müsste jetzt eine halbe Stunde die beiden Damen herum führen und sie alles genau untersuchen lassen, aber die Inspektion war doch von eher kurzer Natur. Nach nicht mal einer viertel Stunde war der Spuk vorbei.

Jede Menge Lob gab es dann am Samstagmorgen von Ferenc, der wirklich stolz auf und alle war. Die Inspektorinnen waren hoch zufrieden mit der Big Kitchen. Laut Ferenc hätten sie selten eine so saubere und organisierte Küche gesehen, die für so viele Leute kocht.

Es ist also offiziell, die Küche in Taizé ist sauber, organisiert und das Essen bedenkenlos essbar. Und das mit der Arbeit von ausschließlich ehrenamtlicher Jugendlicher.

Man muss schon sagen, das alles grenzt an ein kleines Wunder und jetzt in den großen Wochen mit 3000 Leuten in Taizé um so mehr. Meine Kontaktschwester hat noch einen Aspekt hinzugefügt. Es ist auch ein so großer Vertrauensbeweis, dass die Communauté uns so frei arbeiten lässt. Sie haben zwar in letzter Konsequenz die Verantwortung für alles, was die Jugendtreffen angeht, aber sie vertrauen uns soweit, dass niemand nochmal vor der Inspektion die Küche kontrolliert hat.

Insgesamt war ich jetzt 3 Wochen am Stück in der Küche und mittlerweile ist ein Kistenberg von 35 Boxen nicht mehr wirklich beeindruckend, die Info von der Dirstribution, dass wir nicht genug Essen für 300 Leute haben nicht mehr schockierend und 2 Mal wöchentlich eine Extraline normal.

Wie gesagt, der Sommer ist da und mit ihm der ganz normale Wahnsinn im Wochenrhythmus.

 

Aber der Sommer hier hat natürlich auch seine schönen Seiten. Neben der Möglichkeit endlich die Nächte im Freien verbringen zu können, hat seit dieser Woche endlich ein kleines grünes Papierchen mit neuen Liedern Einzug in die Kirche gehalten. Endlich ein finnisches Lied und ein neues Sanctus, beides wunderschön und singbar :)

Ja, und die neue CD ist endlich veröffentlicht. „O toi, l'audela de tous“ wird jetzt schon seit 2 Wochen in der Exposition verkauft und Bruder Francesco hat ein Video dazu gemacht und will es in den nächsten Wochen auf der Homepage hoch laden. Ein kleiner Vorgeschmack auf die erste Aufnahme seit 11 Jahren.

Ende Juni hatten wir einen sehr schwedischen Mitsommernachtstag in Taizé. Blumenkränze und schwedische Tänze dominierten für einen Tag den Hügel und auch wir Permanents ließen uns ein wenig von dem Sommersonnenwende-Wahnsinn anstecken.
Antoinette und ich versuchten uns in der Tradition, an diesem Tag schweigend 7 Zäune zu erklimmen und hinter jedem eine Blume zu pflücken. Diese muss man dann unter sein Kopfkissen legen und seellig von demjenigen träumen, den man dann angeblich heiratet. Das Klettern über die Zäune war ja noch sehr lustig und abends sind wir auch voller Erwartungen ins Bett gegangen, aber am nächsten Morgen bin ich doch etwas verwirrt aufgewacht, das in meinen Träumen DER Nacht ausgerechnet Ferenc und Bruder Etienne vorkamen...

Ja, und die Fußball EM gab es ja auch noch. Ganz können  selbst wir uns dem nicht entziehen und so wurden die letzen 3 Spiele für alle in Halle 10 gezeigt. Wir Lamba Mädels waren hingegen zum gemütlichen Rudelgucken bei den Schwestern in Ameugny eingeladen :)

So da soll es erst einmal wieder gewesen sein. Ich versuche mich noch einmal von hier zu melden und einen letzten Eindruck vom Leben auf dem Hügel zu euch da draußen zu senden.

Donnerstag, 02.08.2012

See I am near

Siehe da, und schon ist eine der größten Sommerwochen dieses Jahr vorüber. Mehr als 4000 Leute bevölkerten diese Woche den Hügel und schwitzten gemeinsam in der unerträglich heißen Sommersonne. Um die 35°C im Schatten ließen das sonst so bunte Treiben hier vor allem tagsüber eher piano daher kommen.

 

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu erzählen. Das Leben hier kommt zur Zeit so intensiv daher, dass man am liebsten jede Millisekunde mit anderen teilen möchte. Die Zeit des Kommen und Gehens ist angebrochen. Viele neue Permanents bevölkern Madras und Neva und auf der anderen Seite fahren Menschen, mit denen du Monate deines Lebens geteilt hast, nach und nach alle nach Hause. Gemeinsame (letzte) Momente sind oft kurz aber intensiv. Es ist die Zeit der letzten Spaziergänge, wobei man ehrlich sagen muss, dass es mit vielen auch die ersten sind.

Was macht das schon? Es ist schön die noch verbleibende Zeit miteinander zu verbringen und sich noch von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen. Es ist ein Abschied in Etappen und ich finde das es gut so ist.

 

Trotz der gemeinsamen Abschiedsmelancholie passiert hier auf dem Hügel doch noch ziemlich viel alltägliches.

Ich bin froh, so viel wie nur möglich in der Big Kitchen zu arbeiten. Jetzt im Sommer sicher total verrückt, aber mir ist dieser Ort einfach ans Herz gewachsen.

Letzte Woche habe ich Erica die Cold Preparation beigebracht, was mir mal wieder die Möglichkeit gegeben hat diesen Arbeitsschritt in den großen Wochen auszukosten. Und man muss zwar ehrlich sagen, dass es nicht all zu viel Arbeit ist, der Mittwoch Abend jedoch absolut verrückt war.

Mittwochs gibt es immer Chicken Nuggets und das sind in diesen Wochen immer so um die 8000 Geflügelstückchen, die für den Ofen vorbereitet werden müssen. Die Herausforderung der Woche: Was tun wenn man 35 Gastros zu wenig hat? Improvisieren is the name of the game!

Also haben wir nicht nur die Gastros sondern auch gleich die Deckel davon mit den Nuggets bestückt. Nächtes Problem: Wir haben 3 Ofentrolleys, auf denen wir max. 100 Gastros platzieren können. Bei einer Menge von 130 ist da schon das nächste Problem..:

Ich sag euch, das war ein ganz schönes Hin und Herrangieren in der Küche am Mittwoch!

Das Erstaunliche ist da immer wieder, dass wir pünktlich fertig sind und alle was zu Essen haben.

UND es schmeckt den Leuten auch noch. Ja, das ist kein Witz, wir bekommen in den letzten Wochen so viel Lob wie selten. Expermanents loben unsere Kochkünste und auch Leute vom Feld sind geradezu begeistert.

Neulich kam eine Frau in die Exposition und fragte, ob wir hier das Kochbuch mit den Taizérezepten verkauften. Sie wolle das gerne zu Hause nachkochen. Gibt es ein größeres Lob?

Und noch ein Fakt der Woche: Das Ditribitionteam hat die Zeit gestoppt. In 48 Sekunden bekommen in Taizé 100 Leute ihr Essen. Wer den Rekord unterbietet bitte melden ;)

  Big Kitchen im sommer: extrem aber lustig :D

Diese Woche steht auf meiner Workinglist am Morgen „Special Job“. Eigentlich sollte ich den ganzen Vormittag fleißig neue Vorhänge nähen, aber wie es der Zufall so will, hatte Sr Tessa dann doch immer wieder wirklich spezielle Sachen für mich. Und so fuhr ich täglich zu unseren Häusern außerhalb von Taizé um wahlweise Glühbirnen aus zu tauschen oder Decken hin und her zu fahren.

Wie auch immer, heute bin ich dann wirklich wieder zurück an die Nähmaschine gekommen. Es ist schon ein seltsames Gefühl. Das Nähen war schließlich einer der ersten Jobs, die ich hier hatte und nun ist es auch einer meiner letzten. Schön und seltsam zugleich, denn dabei kommen doch immer wieder die Erinnerungen an die verrückte Vorbereitung der Deko für Berlin auf.

 

Auch ziemlich verrückt war das Leben in Lamba in den letzten Wochen. Da wir nur so wenige sind, ist es echt gemütlich und entspannt zur Zeit. Ein echter Aufreger waren hingegen unsere neuen kleinen Mitbewohner. Eine Rattenfamilie fand es wir wir auch sehr gemütlich in Lamba und behauste unseren Common Room. Wir fanden das hingegen weniger gemütlich und sagten den kleinen Untermietern den Kampf an. Nach Deep Cleaning und einer Giftoffensive ist der derzeitige Stand Ratten 0:5 Lamba!

Voila.

Donnerstag, 30.08.2012

Ne craignez pas

Meine Permanentzeit in Taizé ist vorüber. Ein seltsames Gefühlt nach so vielen Monaten wieder zu Hause zu sein.

 

Dabei waren meine letzten Wochen auf dem Hügel aufregend wie nie. Eine turbulente Achterbahnfahrt von Gefühlen, Emotionen und Ereignissen.

In meinen letzten Gesprächen mit meiner Kontaktschwester sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass mein Aufenthalt einem Hollywoodfilm glich. Eine seichter Einstieg, dann folgten einige Konflikte und Probleme, aber alles fand ein glückliches und überwältigendes Happy End!

So, oder so ähnlich jedenfalls ;)

 

Ganz am Anfang meines Aufenthaltes hatten wir eine Liste an der Pinnwand in N'Toumi hängen: Woran du merkst, dass du zu lange in Taizé warst...

 

  1. Du fragst dich warum so viele Bänke in der Mitte der Kirche stehen.

    Definitiv! Als ich hier zu Hause mal wieder in meiner Kirche war, war das ein seltsames Gefühl. Ich bin das echt nicht mehr gewöhnt auf einer Kirchenbank zu sitzen! Und ich muss sagen, dass mir die Taizégesänge im Gottesdienst fehlen...

  2. Du kannst nie wieder deine Toilette mit einem GELBEN Schwamm putzten.

    Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber bei vielen kleinen Hausarbeiten hat mich Taizé schon sehr geprägt. Ich mache auf einmal viele Dinge ganz anders als meine Familie es gewohnt ist. Vor allem beim Kochen natürlich, aber da gibt es noch andere Geschichten zu erzählen ;)

    Da ist es wohl gut jetzt endlich mal auszuziehen!

  3. Wenn jemand sagt „I am sure“ startest du automatisch zu singen „I shall see. The goodnes of the Lord...“

    Ja, so ist es und es ist bis weilen seltsam bis peinlich, wenn keiner mehr mitsingt! Ja, leider verstehen die Leute hier zu Hause unsere ganzen wunderbaren Taizésprüche und Witze gar nicht und so ist man da ganz allein auf weiter Flur, wobei meine Familie tapfer erträgt, dass ich viele Redewendungen doch noch nicht abstellen kann oder will :)

  4. Du fühlst dich nackt, wenn deine Schultern nicht bedeckt sind.

    Zum Glück ist es ja nicht mehr so warm, sodass klösterliche Kleidung sowieso angesagt ist ;) Aber viele „normale“ Dinge fühlen sich noch immer seltsam an. Sich nach 22 Uhr irgendwo mit einem Jungen treffen? Da hat man in Taizé dieses leichte Schauergefühl von jemanden gesehen zu werden und jetzt muss ich mir manchmal doch noch sagen: Mensch, das ist erlaubt und voll normal!

  5. Du beendest jeden Satz mit „non?“

    Ja, und das ist nicht schön! Manche Taizéphänomene sind dann eben doch nicht die größte Errungenschaft der Menschheit...

  6. Anstatt zu sagen „Halt die Klappe!“ sagst du „Ich lade dich ein leise zu sein.“

    Definitiv eine schöne Veränderung aus Taizé. Ich bin oft viel Gelassener, habe schon jetzt mehr Verständnis für andere und vor allem für Fremde. Ich hoffe ich behalte es mir in diesem grauen Alltag bei :)

  7. Deine einzige Informationsquelle für Nachrichten aus der Welt, ist das gemeinsame Gebet.

    Ganz so schlimm war es ja nun nicht, aber ich habe schon das Gefühl ganz schön was verpasst zu haben. Oft kommt im Gespräch auf einmal die Frage „Hast du das denn gar nicht mitbekommen???“ Nein, ich war in Taizé. Da ist es nicht von so großer Bedeutung welche Berühmtheit schon wieder für welchen Skandal gesorgt hat. Trotzdem versuche ich mich jetzt wieder auf den neusten Stand der Dinge zu bringen. Vor allem im Innenpolitischen...

  8. Was auch immer du brauchst, du fragst Economat.

    Tja, so einfach wie in Taizé ist es im normalen Leben ja leider nicht. Da muss man im Supermarkt auf einmal nicht mehr nur zwischen Erdbeere, Pfirsich oder Blaubeere entscheiden, sondern hat gleich 10 verschiedene Marmelade von der gleichen Sorte zur Auswahl! Und das gleiche beim Käse auch noch! Ich bin echt noch überfordert mit dieser Konsumwelt.

  9. Wenn du eine beliebige Nummer zwischen 1 und 153 siehst, denkst du automatisch an das dazugehörige Lied.

    Auf jeden Fall, aber das ist lustig! Kleine Sonnenstrahlen im Alltag, wenn man im Kopf hat: „Guck mal, der Bus ist Retourne mon ame!“

  10. Du bist dir nicht sicher, welche deine Muttersprache ist.

    Das ist schon ein Problem. Wenn ich mit Freunden aus Taizé spreche, wechsel ich sometimes in the middle of the sentence the language! It's horrible! But funny ;)

 

Ihr merkt, nach einer so langen Zeit in Taizé ist es schwierig wieder zu Hause an zukommen, vor allem wenn man aus so intensiven Sommerwochen zurück in das deutsche Sommerloch kommt.

Ich vermisse Taizé, die Gebete, die Gesänge, die wunderbaren Menschen, Big Kitchen, die Massen, den Sternenhimmel, Lamba mit den Mädels...

 

Aber ich werde schon wieder Fuß fassen hier in der normalen Welt.

Montag, 24.02.2014

FAQ

So, dieser Eintrag widmet sich allen häufig gestellten Fragen aus dem Kontaktformular. Ich hatte es ja selbst nicht geglaubt, aber dieser Blog erfreut sich auch nach nun 2,5 Jahren großer Beliebtheit. Obwohl ich mich bemühe möglichst vielen persönliche zu antworten, kann diese tolle neue Rubik bei brennenden Fragen Abhilfe leisten.

Erst einmal überprüfe dich selbst: Habe ich bereits auf www.taize.fr nachgeschaut?

Ja? Auch unter der Rubrik "Als Freiwilliger länger in Taizé mitleben"?

Immernoch keine passende Antwort gefunden?

Ich beantworte hier also die Fragen, die mir am häufigsten gestellt wurden und die ich als sinnvoll zu beantworten erachte. Also dann

 

1. Wie und wo kann ich mich als Permanent bewerben?

Einfach: gar nicht! Um Permanent zu werden ist keine Bewerbung à la "Ich heiße Fritz und bin ganz toll geeignet, bitte nehmt mich" nötig. Ihr meldet euch ganz einfach für eine Woche in Taizé an und schreibt in die Anmerkungen, dass ich gerne für eine längere Zeit bleiben wollt. Taizé meldet sich dann auf den richtigen Kanälen.

Am Besten ihr schaut euch mal unter www.taize.fr um. Dort werdet ihr schon die nötigen Infos zur Kontaktaufnahme finden oder einfach eine Mail an jugendtreffen@taize.fr.

 

2. Welche Voraussetzungen brauche ich, um Permanent zu werden?

Tja, das ist eine gute Frage. Zunächst einmal solltest du schon min. einmal in Taizé als Jugendlicher gewesen und dann möglichst über 18 Jahren sein.

Du solltest bei einigermaßen guter körperlicher und geistiger Gesundheit sein. Taizé ist kein Hotel, kein Abenteuer- oder Selbsterfahrungscamp oder Krankenhaus. Es ist ein Kloster! Sei dir dem bewusst.

An sonsten ist es sehr hilfreich Englisch und Französisch zu beherrschen, ein offener Mensch zu sein, Flexibilitätl in Ess-, Wohn- und Schlafgewohnheiten zu haben  und seine Erwartungen nicht zu hoch zu stecken.

 

3. Wann ist es sinnvoll in Taizé als Permanent anzufangen?

Was Grundsätzliches: in dieser Kategorie gelten unterschiedliche Sachen für Jungen und Mädchen.

Am Besten kommt ihr entweder zu Ostern oder noch besser irgendwann zwischen Juni und September.

Ihr wollt zu einer anderen Zeit kommen?

Jungs: Ok, schreibt und fragt ob es in Ordnung ist. Nicht so wahrscheinlich ist das aber zwischen Dezember und Januar.

Mädels: Spätestens zwischen November und März ist das nicht möglich (weil das Haus für die neuen Mädchen da geschlossen ist!). Sonst schreibt, fragt und begründet, warum ihr jetzt kommen möchtet.

 

4. Was kostet mich der Aufenthalt?

Die Zeit als Permanent kostet dich nichts.
Du brauchst aber Geld für folgende Dinge: den Teilnehmerbeitrag der 1. Woche, An- und Abreise, Sachen des täglichen Bedarfs (Zahnpasta, Shampoo...)

 

5. Was muss ich auf jeden Fall mitbringen?

Alles, was du für die "normale" Woche in Taizé so brauchst, eine Bibel! Schreibzeug, wetterfeste Kleidung (Gummistiefel!), Krankenversicherung, Führerschein, Mehrfachsteckdose (kann sehr nützlich sein!), alles was dir das Leben in einer der Baracken schön und einfach macht ;)

Wenn nötig Medikamente!

 

6. Was kann ich getrost zu Hause lassen?

Alles in 100facher Ausführung als Vorrat mitnehmen, Decken, Kissen und Co. (Schlafssack natürlich für die 1. Woche), Waschmittel, Alkohol u.a. Drogen

Zum Thema Laoptop und Co. möchte ich euch sagen, dass ihr sie mitbringen könnt, allerdings überlegt euch gut, ob ihr das möchtet. In Taizé braucht man keinen Laoptop und eigentlich ist er mehr Balast als Nutzen (Diebstahlgefahr!). Seht die Zeit in Taizé doch einfach als angenehme Auszeit der digitalen Verfügbarkeit.

 

7. Wie kann ich Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen?

Für die Permanents gibt es sowohl ein Telefon (auf dem man angerufen werden kann) als auch eine Postadresse. Selbst telefonieren könnt ihr von den Telefonzellen. Karten dafür gibts am Oyak.

Es gibt Internet in Taizé. Für so privaten Kleinkram kann man locker die Internetbracke benutzen (Nähe Cadole). Für dringlichere Angelegenheiten gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten. Da fragt man dann am besten den Kontaktbruder/Schwester. Und es gibt auch eine EMail Adresse für Permanents, die in einem komplizierten System zwar Mails empfangen und verschicken kann, aber nicht direkt an das Internet angebunden ist. Simplicity in diesem Punkt^^

Besuch ist jeder Zeit willkommen. Eure Familien und Freunde dürfen euch natürlich jeder Zeit besuchen. Wenn ihr ein bisschen länger in Taizé seid, kann es sein, dass es mal nötig ist für ein paar Tage nach Hause zu fahren. Auch das ist in Absprache in Ordnung, aber etwas aufwändig zu planen und so.

 

8. Wie ist die Medizinische Versorgung?

Es gibt für alle kleinen Wehwehchen die Krankenstation in El Abiodh. Für größeres Übel ist der Artz im Nachbarort Cormartin da und das nächste Krankenhaus ist in Macon (ca. 1/2 Stunde). Bitte gebt chronische Erkrankungen direkt bei er Anmeldung mit an.

 

9. Wie viel Freizeit bleibt mir?

Je nachdem was du für einen Job hast. Du arbeitest täglich ca. 4-5 Stunden, hast die gemeinsamen Gebete und Mahlzeiten, die auch ca. 4 Stunden ausmachen. Jetzt kannst du es dir ja ausrechnen. Allerdings rate ich von einem unnötigem Fernstudium oder der gleichen ab. Nutz die Zeit lieber für das, was Taizé so wunderbar macht!